Fabians Modellkunstflugseiten
Home | Motorflug | Segelflug | Technikecke | Diverses | Impressum | Links | Updates | Sitemap | Suchen,Drucken
Home> Motorflug> Diverse Überlegungen

Diverse Überlegungen

Version 17, 26.11.2008


Diese Seite ist ein buntes Sammelbecken meiner Ideen und Überlegungen zum Kunstflug. Die Texte hier sind einerseits Durchreisende auf der Suche nach einer geeigneten Seite und andererseits Stammgäste die sonst einfach nirgends reinpassen wollen.

Ich hatte diese Texte Anfangs noch in Kapiteln, Unterkapiteln und Inhaltsgruppen gruppiert. Irgendwann war ich dann mehr mit Gruppieren als mit Schreiben beschäftigt und habe die Gruppiererei daraufhin auf ein erträgliches Mass zurückgestutzt: Die einzelnen Kapitel sind jetzt einfach alphabetisch aneinandergereiht. Ich habe dabei versucht, die Überschriften einigermassen Selbsterklärend zu halten, so dass sie sich die gewünschten Informationen einfach rauspicken können.

Viel Spass beim Schmökern :-)


Inhalt

1 (Ab)Sturzreflexe
2 Das Wohlbefinden des Piloten
3 Den Lernfortschritt beobachten
4 Den Lernfortschritt dokumentieren
5 Die Angst vor dem Fliegen
6 Die Konzentration
7 Die Schokoladenseite
8 Die Trainingsintensität und ihre Auswirkungen
9 Elektronische Helferlein
10 Langsam steuern
11 Locker bleiben
12 Meine Erfahrungen verallgemeinert
13 Morgenflug
14 Motivation
15 Optische Informationen
16 Party!
17 Seinen eigenen Flugstil finden
18 Strukturiertes Lernen vs. planloses Lernen
19 Verschleiss
20 Wechsel
21 Wie wird man Modellpilot?
22 Wind
23 Zeitbedarf


1 (Ab)Sturzreflexe

Der Mensch hat eine ganze Sammlung an Reflexmustern entwickelt, um sich bei Stürzen z.B. durch Abrollen zu schützen. Wie wirkungsvoll diese Reflexmuster sind merkt man erst wenn sie Versagen, z.B. auf Glatteis, wo die Füsse keine seitlichen Kräfte mehr übertragen können und der Körper so nicht mehr im Stande ist, sich in "Abrollposition" zu manövrieren.
Derartige Schutzreflexe gibt es auch noch in anderen Lebensbereichen (das Wegziehen der Hand nach berühren der heissen Herdplatte ist auch so ein Fall), sie sind z.T. angebohren, z.T erlernt und sie lassen sich fast alle durch gezieltes Training erheblich verbessern.

Im Modellflug entwickeln sich mit der Zeit ebenfalls derartige Reflexmuster. Sehr gut kann man das bei der Landung beobachten, bei meinem ersten Motormodell (Music-Bubble) kostete am Anfang fast jede dritte Landung einen Propeller, mittlerweile bekomme ich meine 95cm-Shockflyer auch unter dümmstn Umständen irgendwie aufs Fahrwerk, der ausdauerndste Propeller war ein knappes Jahr lang drauf :-).
Das Versagen dieser Reflexe lässt sich im Modellflug (leider) hervorragend beobachten, Abstürze durch Funktionsausfälle (Störungen, streikende Emfängerstromversorgung etc.) haben meist deutlich mehr Schaden zur Folge als Abstürze wegen Pilotenfehlern. Beim Funktionsausfall knallt das Modell meist wie ein nasser Sack ins Feld, beim Pilotenfehler steuert der Pilot kurz vor dem Boden noch reflexartig "Abrollbewegungen" was die Schäden am Modell z.T. deutlich mildern kann.

nach oben


2 Das Wohlbefinden des Piloten

Mein eigenes Wohlbefinden hat einen deutlichen Einfluss auf den Flugerfolg. Dass mit der Konzentration und der geistigen Fitness hatten wir ja schon, das andere kommt jetzt:
[-] Ich fliege grundsätzlich nicht völlig ausgehungert, die Konzentration leidet bei Hungergefühl sehr stark.
[-] Wenn ich mit kalten Händen oder kalten und nassen Füssen fliege sieht das etwa so aus, wie wenn ich meine Steuerknüppel mit den Füssen bewegen würde. Daher ziehe ich im Winter Handschuhe an und verpacke meine Füsse warm und bei Bedarf wasserdicht.

nach oben


3 Den Lernfortschritt beobachten

Während den ersten Flugstunden lernen viele Piloten so schnell, dass sie ihren Lernfortschritt während dem Training deutlich wahrnehmen. Sobald man die ersten Flugstunden hinter sich hat verlangsamt sich der Lernfortschritt zunehmend. Dies ist völlig normal und typisch für alle Bewegungssportarten. Auch jeder Musiker wird ihnen dieses Phänomen bestätigen können.
Mit dem Lernfortschritt stehts in dieser Phase wie mit den Cumulus-Wolken. Schaut man minutenlang direkt auf die Wolke sieht man kaum eine Veränderung, schaut man kurz weg und dann wieder hin hat sich die Wolke schon merklich weiterentwickelt. Auch beim Training gibt es je länger je mehr Tage, wo man das Gefühl hat, nach dem Training genau gleich schlau zu sein wie davor. Den Fortschritt sieht man erst nach kurzem Wegsehen (= eine Nacht drüber schlafen ), dann aber um so deutlicher :).

nach oben


4 Den Lernfortschritt dokumentieren

Die Figurenliste
Ist eine Liste aller Figuren/Fluglagen, welche ich mittelfristig beherrschen möchte. Jede Figur/Fluglage hat jeweils ein Feld, bei dem ich den die Stufe eintrage, für die das STP bereits funktioniert. Einerseits gewinne ich so die Übersicht über meine Fähigkeiten, andererseits Motiviert so eine Liste ganz ordentlich ;-).

Das Flugtagebuch
Ich führe (momentan noch relativ unregelmässig :-() ein Flugtagebuch, in dem ich neben Akkuinformationen (welcher Akku wurde zum wievielten mal wie geladen) auch die geübten Figuren, die Flugdauer und den Trainingsfortschritt kurz notiere. Grosse Fehler sowie kleinere, ständig wiederkehrende Ungenauigkeiten notiere und analysiere ich ebenfalls. Das hilft sie die in Zukunft zu vermeiden. Speziell bei Abstürzen suche ich möglichst genau nach Ursachen und notiere diese. Aus diesem Flugtagebuch kann ich dann auch recht einfach die Gesamtflugzeit und Relationen von Zwischenfällen und Flugzeit herauslesen.

nach oben


5 Die Angst vor dem Fliegen

Am Anfang ist sie allgegenwärtig: Die Angst vor Abstürzen, Verknüpplern, Hirnblockaden, streikender Technik. Angst davor, ein Flugprogramm zu verhauen, den Akku zu überladen oder die Senderantenne zu vergessen. Diese Angst kann lähmen und den Lernfortschritt behindern, aber vor allem hinterlässt sie ein ungutes Gefühl im Bauch und Fragen drängen sich auf: Ist es das wirklich? Kann es das wirklich sein. Lohnt sich das, hier hunderte/tausende von Franken/Baustunden zu investieren. Wird das je besser?

Ich erlebte diese Angst am Anfang auch, mein Training war teilweise eine rechte Tortur und ich war nach dem Training jeweils froh, wieder heil gelandet zu sein. Ich stand auch einmal kurz vor dem Aufgeben (während des Rückenfluges), weil die Panik dort über eine längere Zeit konstant blieb.

Mit zunehmender Erfahrung und dem Wissen um die richtige Technik und deren Behandlung liefen meine Modelle zuverlässiger. Im Laufe der Zeit habe ich auch Methoden entwickelt um die Übersicht über mein Material zu behalten, ich vergesse und verlege hin und wieder zwar immer noch Sachen, aber es hat sich doch schon ordentlich gebessert. Mit jeder gelernten Fluglage konnte ich besser mit Verknüpplern umgehen, die Hirnblockaden verschwanden, das Fliegen wurde so selbstverständlich wie laufen. Mit jeder Fluglage, die ich als gefestigt abhaken konnte machte sich an der Stelle der Angst ein kleines, feines Grinsen in der Bauchgegend breit. Und dieses Grinsen wurde mit der Zeit immer mehr zu einem Strahlen und ihr Bauch sagt dann nur noch "Wow, ich beherrsch die Kiste". Und je länger je öfter kommt einer dieser magischen Momente, die den Modellflug so einzigartig machen. Es sind die Momente der unbändigen Freude über gelungene Figuren, Momente der Gänsehaut wenn einem das Bewegungszentrum eine Bewegungsfolge präsentiert, die man bewusst nicht für möglich gehalten hätte. Das ist besser als das schönste Gefühlskino, und zusätzlich mache ich man hier den Film noch selber.
Angst ist am Anfang ganz normal und gehört dazu. Mit der Zeit verschwindet sie ganz von alleine.

Falls sie sich das noch nicht so recht vorstellen können habe ich, sozusagen als Vorgeschmack, ein Beispiel aus einem anderen Bereich:
Sie begeben sich täglich in Lebensgefahr. Jedes Mal wenn sie am Morgen aus dem Bett steigen und auf ihren Füssen stehen schweben sie in höchster Gefahr. Sie könnten ausrutschen oder stolpern. Und wenn sie dann hinfallen braucht nur ein Bordstein auf Kopfhöhe zu sein und sie sind mausetot...
Und trotzdem haben Menschen mit gut funktionierendem Bewegungsapparat keine Angst vor dem Laufen. Sie können es schon ewig, sie müssen dabei nichts mehr überlegen, die Zwischenfälle sind äusserst selten, und wenn dann doch mal was schief geht haben sie einen ganzen Haufen Reflexe (Abrollen, mit den Händen Abfedern) die die Misere erträglich machen.
Mit dem Modellflug ist das genau gleich, sofern sie die Grundsätze des Fliegens mal erlernt haben. Sofern ihr Modell zuverlässig Funktioniert haben sie keine Angst mehr vor dem fliegen. Sie machen das schon ne Weile, sie müssen dabei nichts mehr überlegen, Aussetzer sind selten und wenn dann doch mal was schief läuft haben sie eine ganze Hand voll Rettungsreflexe und meistens genügend Sicherheitshöhe im Gepäck. Also kein Grund zur Panik :-).

Sie Sehen, die Angst vor dem Fliegen löst sich nach einer Weile ganz dezent in Nichts auf. Ich denke, dass wir im Interesse von Mensch und Material diese Weile möglichst kurz halten sollten. Im folgenden daher einige Tipps wie sie die Angst möglichst schnell klein kriegen.


5.1 Mit Hirnblockaden umgehen lernen

Neben technischen Defekten sind Hirnblockaden und Verknüppler die einzige Möglichkeit, unser Modell zu erden. Das Fliegen in der ständigen Angst vor einem Modellverlust ist absolut eklig, daher ist es mein Ziel, Hirnblockaden so weit wie möglich zu vermeiden:
[-] Hirnblockaden sind ein Anfängerproblem, je länger sie fliegen, desdo seltener werden sie, um dann irgendwann klammheimlich von der Bildfläche zu verschwinden. Das beste Mittel gegen Hirnblockaden sind Stunden in der Luft, je mehr desdo besser.
[-] Neben den Flugstunden gibt es noch ein weiteres Mittel, Hirnblockaden zu vermeiden: Ruhig bleiben! Immer und in jeder Lebenslage.
[-] Hirnblockaden passieren einerseits am Anfang des STP-Trainings und andererseits wenn sich der Pilot überschätzt und sich spontan irgend einen unbekannten Übergang zusammenbastelt. Gegen Ersteres hilft langsames herantasten, genaues Beobachten und rechtzeitiges Abbrechen der Übungsphase bei Ermüden des Piloten, gegen letzteres der gesunde Menschenverstand und genügend Sicherheitshöhe.

Neben diesen 3 Hauptsachen gibt es noch viele Kleinigkeiten, die mir geholfen haben, die Hirnblockaden zum schweigen zu bringen:
[-] Ich versuche nicht krampfhaft, Hirnblockaden zu verhindern, dann kommen sie eh. Ich begegne ihnen mit einer Mischung aus Gelassenheit, Ignoranz und Hinterlist, so lassen sie sich am besten vertreiben.
[-] Wenn ich beim üben von neuen Figuren nur in sehr kleinen Schritten vorwärts gehe bleiben mir Hirnblockaden meist erspart und die Aussetzer beschränken sich auf kurze Verknüppler.
[-] Wenn ich mir während dem Üben in der zu übenden Figur nicht mehr 100 Prozent sicher bin, wie mein Modell gerade in der Luft liegt, breche ich die Figur sofort ab steuere in eine gefestigte Fluglage zurück. Mein Verstand schreit in dem Moment zwar gaanz laut "Neeein, nicht abbrechen, gerade jetzt wos schwierig wird lohnt es sich, weiter zu machen!", aber glauben sie mir, es lohnt sich nur für ihren Modellbauhändler, weil wenige Sekunden nach dem Orientierungsverlust die Hirnblockade folgt, und wenn sie zu tief über dem Boden waren können sie ihr Modell dann ausgraben.
[-] Ich beobachte mich selber genau und versuche möglichst präzise den Zeitpunkt zu spüren, an dem es mit meiner Konzentration bergab geht. Verknüppler in sonst problemlosen Fluglagen sind da einer der eindeutigsten Vorboten. Ich breche dann sofort das üben ab und beende entweder das Training für diesen Tag oder beschäftige mich mit BFP's.
[-] Sobald ich eine Übung geknackt habe renne (fliege) ich nicht gleich zur Nächsten weiter sondern festige die Geknackte erstmal. Ganz langsam, schön ruhig, Flugstunde um Flugstunde. Zu viele noch nicht gefestigte Figuren auf einmal verträgt zumindest mein Kopf nicht, da gibt es über kurz oder lang ein Durcheinander.
[-] Falls es dann doch mal passiert (am Anfang ist es halt nicht zu vermeiden) und ich mir eine Hirnblockade einfange, mache ich die gleiche Prozedur, mit der ich auch einen abgestürzten Windows-Rechner wiederbelebe: Reboot! Beim Fliegen nehme ich dafür die Finger ca. eine Sekunde von den Knüppeln und versuche mich zu orientieren. Sobald ich die Orientierung wieder habe, gebe ich entsprechend Gegensteuer, befördere das Modell in eine vertraute Fluglage und erhole mich von dem Schreck. 2m über dem Boden funktioniert das Ganze natürlich nicht, aber so tief runter wagt man sich eh erst, wenn man eine Figur soweit beherrscht, dass Hirnblockaden ausgeschlossen sind.
[-] Theoretisch sind Hirnblockaden auch bei gefestigten Figuren noch möglich, aber sie passieren derart selten, dass wir sie getrost als nicht existent abhaken können. Oder erinnern sie sich noch an den Zeitpunkt, als sie das letzte Mal während eines Spaziergangs vergessen haben, wie man läuft? Laufen haben sie lange genug geübt, da kommen Hirnblockaden kaum mehr vor. Mit dem Fliegen ist es das Gleiche.


5.2 Angst vor dem Neuen Modell

Vielleicht kennen sie die Situation: vor ihnen steht ihr nagelneues modell. Wunderschön gebaut, erstklassiges Finish, schweineteuer, eine echtes Schmuckstück. Und sie haben Schiss das Teil in die Luft zu befördern [scheu] [haemmernd].
Wenn sie da nichts unternehmen kann das Modell Monate- oder Jahrelang im Keller einstauben, und das kanns ja auch nicht sein. Falls sie also vor einem derartigen Problem stehen, kann ich folgendes Vorgehen empfehlen:
[-] 1. Checken sie ab, ob ihre Flugfertigkeiten für das Modell ausreichend sind. Wenn sie sich selber gut genug einschätzen können dann tun sie es, wenn sie sich nicht so sicher sind dann bitten sie einen Modellfliegerfreund, der sie und ihre fliegerischen Fähigkeiten kennt, ihnen das Modell einzufliegen und zu beurteilen ob sie es in den Griff bekommen würden. Falls ihre Flugfertigkeiten ausreichend sind: Ab zu Punkt 2. Falls nicht: Sorgen sie dafür, dass sie ausreichend werden, je nach Zielmodell mit dem Flugsimulator, mit echten, einfacher zu fliegenden Modellen oder mit einer Kombination aus beidem.
[-] 2. Sobald ihre Fliegerischen Fähigkeiten ausreichend sind: Machen sie eine Liste mit Bedingungen (Wetter, Gesundheit des Piloten) welche erfüllt sein müssen, damit sie den Erstflug wagen. Kommen sie nicht auf die Idee, einfach auf "optimale Bedingungen" zu warten, da finden sie immer wieder was was nicht optimal ist und ihr Modell verstaubt irgendwo im Keller.
Stellen sie ihr Modell sauber ein, checken sie alles auf Funktionstüchtigkeit.
Wenn die Bedingungen passen und das Modell durchgecheckt ist: Modell auf die Piste stellen, Gas rein und hoch mit der Kiste. Frei nach dem Motto "Flieg oder stirb!" [grins]. Nach dem gelungenen ersten Flugtag können sie dann in Ruhe Anstossen gehen [prost].


5.3 Angst nach einem Absturz

Das kennen sie wahrscheinlich: Ihr Modell liegt gleichmässig verteilt auf dem Feld und sie haben von da an Schiss, überhaupt noch etwas zu fliegen. Reiter steigen jeweils wieder auf wenn sie vom Pferd fallen, und Modellpiloten machen das nicht anders! Sammeln sie die Überreste ein, analysieren sie den Absturz und nehmen sie daraus resultierende Änderungen am ihrem Flugverhalten/ an der Bauweise des Modells / an was auch immer.. vor. Bauen sie dann je nach dem ihr altes Modell wieder auf oder bauen sie ein Neues und machen sie so schnell wie sinnvoll wieder mit dem Training weiter.

nach oben


6 Die Konzentration

Die Fähigkeit, alle Kräfte auf ihr Training zu bündeln. Konzentration ist Voraussetzung für effektives Kunstflugtraining. Sie ist nicht im Übermass vorhanden, lässt sich aber durch Training stark steigern und verlängern. Je konzentrierter (nicht angespannter, das ist was anderes!) sie arbeiten, desdo schneller kommen sie vorwärts.
Kunstflugtraining erfordert vom Piloten höchste Konzentration. Kein Wunder, der wir kratzen ja auch ständig an unserer Leistungs- und Vorstellungsgrenze uns schütten beim üben neuer Figuren ein paar Tagesrationen Adrenalin aus. Erschwerend kommt hinzu, dass unsere lieben Modelle um alle Achsen neutral fliegen, d.h. wir müssen ständig irgendetwas herumhebeln, damit uns die Kiste nicht vom Himmel fällt. Einfach mal kurz nichts steuern und durchatmen läuft nicht (ausser nach einer Hirnblockade, aber die ist ja nicht wirklich erstrebenswert). Bricht diese Konzentration ein, bedeutet das im besten Fall eine unsaubere Figur, im schlimmsten Fall den Verlust des Modells.

Dichtmachen
Nach einer gewissen Trainingszeit (beim STP-Training massiv kürzer als beim BFP-Training) macht mein Kopf dicht, die Konzentration bricht in sich zusammen, dann geht nichts neues mehr rein und es kommt auch nicht viel Gescheites mehr raus. Dieses Dichtmachen kündigt sich durch eine Verlangsamung der Lerngeschwindigkeit an. Ziemlich bald danach kommen die ersten Knoten im Kopf, Verknüppler folgen, ich verkrampfe mich. Ich merke jetzt sehr deutlich, wie sich das Gehirn gegen jede neue Bewegungsinformation wehrt. Wenn ich trotzdem weitermache zieht mein Gehirn die letzte Trumpfkarte: Verknüppler treten jetzt auch in bereits beherrschten Fluglagen auf. Weiter hab ichs noch nicht getrieben, wäre eigentlich interessant zu wissen ob ich irgendwann auch im Bauchflug hilflos vom Himmel falle [irr].
Dieses Dichtmachen kommt mit schnöder Regelmässigkeit nach einer gewissen Trainingsdauer. Wenn ich allerdings mehrfach bis an diese "Dichtmachgrenze" trainiere, kann ich diese immer weiter hinausschieben und so die möglichen Trainingszeiten langsam verlängern.

Die meisten Einsteiger machen bereits nach weniger als 15 Flugminuten dicht, das ist zwar anfangs übelst frustrierend, aber diese Zeit dehnt sich schnell um ein Vielfaches aus.

Drüber Schlafen
Offensichtlich verarbeitet unser Gehirn die am Tag gewonnenen Bewegungsinformationen in der Nacht darauf. Wenn ich nach dem Dichtmachen einige Stunden warte geht zwar wieder was, aber nicht wirklich lange. Erst am nächsten Morgen habe ich wieder die volle Leistungsfähigkeit. Die Weisheit vom "drüber schlafen" stimmt wirklich.

nach oben


7 Die Schokoladenseite

...ist einerseits die bevorzugte Vorwärtsfluglage eines jeden Piloten und andererseits die bevorzugte Richtung "wierum" der Pilot eine Figur lieber fliegt. Die bevorzugte Flächenfluglage ist bei allen Piloten, die ich bisher kennen gelernt habe der Bauchflug (wieso eigentlich, was haben die alle gegen Rückenflug? [grins]) den Messerflug können wohl auch die meisten Piloten auf eine Seite besser, und auch beim Turn, bei Wenden, Rollen und allem anderen hat jeder seine Lieblingsrichtungen, die einfach besser klappen und bei denen sich der Pilot wohler fühlt. Diese Schokoladenseiten engen das fliegerische Spektrum eines Piloten massiv ein, und der Zuschauer (auch der Laie!) bekommt unbewusst mit, das der Pilot manche Vorwärtsfluglagen besser beherrscht als andere und seine Figuren bevorzugt in die Schokoladenrichtung fliegt, und empfindet die Flugvorführung bald mal als eintönig und langweilig. Der wirklich schwerelose, federleichte und elegante Flug entsteht erst, wenn diese Schokoladenseiten fehlen und der Pilot Fluglagen und Flugrichtungen oder frei wählen und dem Programm entsprechend einsetzen kann. Das bedeutet für uns Piloten vor allem eins: Die Schokoladenseiten müssen weg! Und die einzig wirkungsvolle Methode dagegen ist die, immer entgegen seiner Schokoladenseite zu trainieren. IMMER. Die Schokoladenseite ist natürlich auch nicht doof und wechselt irgendwann die Richtung/Fluglage, aber sie sind schlauer und wechseln dann ebenfalls wieder. Wenn sie das konsequent durchziehen ist der Unterschied zwischen Schokoladenseite und nicht-Schokoladenseite bald derart klein, dass er niemandem mehr auffällt.

nach oben


8 Die Trainingsintensität und ihre Auswirkungen

Als Trainingsintensität bezeichne ich die Anzahl Flugstunden, welche ein Pilot in einem gewissen Zeitraum absolviert. Die hängt einerseits davon ab, wieviel Zeit einem zur Verfügung steht. Andererseits muss jeder selbst entscheiden, wieviel Zeit er sich davon für den Modellkunstflug nehmen will. Wie oft und wie lange man trainieren muss, um wirklich gut zu werden, da gehen die Meinungen stark auseinander. Im Folgenden hab ich mal aufgelistet, was berühmte Jongleure zum Thema Trainingsintensität zu sagen haben:

[-] Täglich 20 Minuten (Stack)
[-] Täglich eine Stunde (Gatto)
[-] Täglich Zwei Stunden (May)
[-] Soviel du kannst (Brunn, Brunn, Rastelli)

Sie wundern sich jetzt vielleicht, wieso ich hier Jongleure zitiere. Ich habe selber lange Zeit jongliert und kann daher ein bisserl vergleichen. Beim Modellkunstflug wie beim Jonglieren geht es darum, ein Bewegungsmuster zu erlernen. Die Lerntechniken und die Vorgänge im Kopf des Lernenden sind dabei beim Jonglieren fast gleich wie im Modellkunstflug.

Im Modellflug trainiere ich da noch zu wenig lange um hier irgendeinen Tipp zur Trainingsintensität abzugeben. Was ich bereits relativ zuverlässig angeben kann ist die Wirkung von verschiedenen Trainingsintensitäten auf meinen Lernfortschritt. Ich unterscheide dabei folgende Fälle:

[-]Das Flugkönnen konstant halten Dafür brauchts bei mir extrem wenig, eine Flugstunde pro Monat reicht da vollkommen.

[-]Langsame Steigerung des Flugkönnens Hier ist regelmässiges Training nötig, wenn ich eine halbe bis eine Flugstunde pro Woche fliege erziele ich aber schon einen deutlich sichtbaren Fortschritt.

[-]Schnelle Steigerung des Flugkönnens Hier sind mehrere Flugstunden pro Woche erforderlich. Wenn ich das wirklich durchziehe sind die Fortschritte enorm, nach 2-3 tagen merke ich noch nicht wirklich was, nach einer Woche merke ichs schon deutlich, nach einem Monat ists schon faszinierend und nach einem Jahr machts einem schon fast Angst [grins]. Hier mache ich schon erste Bekanntschaften mit der Dichtmachgrenze.

[-]Schnellstmögliche Steigerung des Flugkönnens Bei mir bedeutet das: Tägliches Training bis zur Dichtmachgrenze. Dabei schauen momentan zwischen 2 und 3 Flugstunden pro Tag raus. Leider konnte ich diese Trainingsintensität noch nicht über längere Zeit durchziehen.

nach oben


9 Elektronische Helferlein

Von denen gibt es im Modellflug zweierlei: Einerseits die die dafür sorgen, dass die Knüppelbewegungen proportional in Ruderbewegungen bzw. in Propellerdrehzahl umgewandelt werden. Die sind nötig, da müssen wir nichts diskutieren. Neben diesen "elementaren" Hilfen gibt es noch einige weitere (zum Teil werden die auch von den gleichen Bauteilen erzeugt wie die elementaren), welche einem das Modellkunstfliegerleben vereinfachen können:

Ausgangspunkt: Das Elementar fliegende, über vier proportionale Funktionen gesteuerte Modell
Zusatzfunktionen:
[-] Dual-Rate
[-] Flugphasen
[-] Expo
[-] Mischer für bestimmte Fluglage (stabiler Messerflug)
[-] Mischer für ganze Figuren (z.B. Snaps)
[-] Gyros
[-] Aktive Stabilisierungshilfen
[-] Autonome Modellsteuerelemente
Endpunkt: Das Autonom fliegende Modell.

Die ganze Thematik der autonom fliegenden Modelle interessiert mich sehr und ich denk, ich werd in meinem ETH-Studium noch genug darüber zu hören bekommen [grins].
Vielleicht genau deshalb pflege ich im Modellkunstflug eher den Minimalismus. Ich finds absolut faszinierend wie man mit 3 Proportional gesteuerten Ruderfunktionen und einer (fast) proportional gesteuerten Motorfunktion einen Shockflyer in beliebiger Figurenvielfalt durch die Luft bewegen kann. Folglich fliege ich momentan ohne Dual-Rate, Flugphasen und ohne Mischer (z.B. für den Messerflug).
Expo fliege ich beim Shockflyer ebenfalls nicht, bei der AJ-Extra musste ich einsehen dass es ohne Expo schlicht nicht geht, die Kiste reagiert einfach zu direkt [grins].

Ob und wie sich meine Einstellung zum Thema elektronische Helferlein noch ändern wird weiss ich nicht, momentan fühle ich mich aber sehr wohl so.

nach oben


10 Langsam steuern

Wenn sie bei einer Figur hängen oder wenn eine Bewegungsabfolge ums Verrecken nicht funktionieren will dann fliegen sie sie erneut und steuern sie dieses mal die Ruder ganz bewusst so langsam wie möglich, gerade noch so schnell wie es ihrer Meinung nach für ein Gelingen der Figur nötig wäre. In einem Grossteil der Fälle klappt die Figur dann plötzlich.

Der Grund für das Funktionieren dieses Tricks ist folgender:
Wenn etwas nicht funktionieren will dann verkrampfen sich fast alle Piloten, sie beginnen zu übersteuern, verlieren den Überblick und hebeln so ihr Modell aus der Figur. Mit dem bewusst langsamen Steuern wird dieses Übersteuern unterdrückt.

nach oben


11 Locker bleiben

Wenn ich mich geistig verkrampfe, ist Trainieren nicht mehr wirklich möglich, ich kann keine neuen Bewegungen mehr aufnehmen und auch altbekannte Bewegungen machen plötzlich Mühe. Das Modell ist dann stark absturzgefärdet, und der fehlende Lernfortschritt erzeugt Zweifel und Frust welcher dann zu noch mehr Verkrampfen führt. Ein Teufelskreis...
Netterweise zeigt sich bei mir jegliche geistige Verkrampfung sofort in körperlicher Verkrampfung (vor allem angespannte und verkrampfte Muskeln), und wenn ich es schaffe, den Körper zu entspannen, dann ist auch der Geist entspannt. Zum Entspannen der Körpers haben sich bei mir folgende Methoden bewährt:

[-] Ich versuche mich gerade und locker hinzustellen/hinzusetzen, mein Pokerface (= alle Mimikmuskeln entspannen) aufzusetzen und die Knüppel bei der Pultsteuerung locker zwischen den Fingerspitzen zu halten bzw. bei der Daumensteuerung den Sender so locker wie Möglich in der Hand zu halten. Sobald ich Grimassen schneide, mich irgendwie verwinde oder völlig verkrampft die Knüppel umklammere beende ich die Figur, drehe ein paar Runden, entspanne mich und mache dann weiter. Wenns dann immer noch nicht besser ist, ists Zeit zu landen.
[-] Ich versuche ruhig, tief und absolut gleichmässig zu atmen, und dabei möglichst in den Bauch und nicht in die Brust hinein zu atmen (Beim Verkrampfen neige ich dazu, im Takt der Figuren zu atmen und bei schwierigen Passagen die Luft anzuhalten).
[-] Ich versuche alle Muskeln soweit zu entspannen, dass ich gerade noch nicht vom Stuhl falle bzw. umkippe. (Speziell meine Stirnmuskeln spannen sich sonst bei der kleinsten Herausforderung an, die Folge sind Kopfschmerzen).
Je mehr ich diese ganzen Verkrampfungsreaktionen unterbinden konnte (bis zum äussersten habe ichs noch nicht getrieben, ich bin bisher noch nie vom Stuhl gefallen) desdo genauer konnte ich verfolgen, was während dem Lernen in meinem Kopf abging, und desdo schneller und entspannter lernte ich. Alle die glauben, dass man bei völliger Entspannung einschlafen würde kann ich beruhigen, wenn sie intensiv lernen ist in ihrem Kopf die Hölle los, der käme nicht im entferntesten auf die Idee einzuschlafen.

Ich kann ihnen wärmstens empfehlen, die Sache mal auszuprobieren. Versuchen sie mal, am Simulator (da können sie sich Abstürzen wegen Ablenkung leisten) das Modell nur noch nebenbei zu beobachten und konzentrieren sie sich darauf nur die Muskeln welche sie benötigen um nicht vom Stuhl zu fallen und die Steuermuskeln in den Händen zu bewegen und den Rest vollständig locker zu lassen.

Neben der Körperlichen Entspannung kann ich auch direkt beim Geistlichen ansetzen:
[-] Ich versuche ruhig zu bleiben und zwar immer. Auch wenn ich 50cm über dem Boden Entscheidungsschwierigkeiten mit dem Tiefenruder bekomme. Und erst recht wenn mein Modell mit Vollgas auf mich zufliegt. Bei Gefahr spult mein Körper sein Notprogramm für sich selber (Adrenalin, Anspannung, Blockade aller logischen Denkfunktionen, ignorieren aller "nicht lebenswichtigen" Handlungen (Modellsteuerung!), Fluchtreflex) stur ab, und dass ist für mein Modell tödlich, weil es bei diesem Notprogramm schlicht ignoriert wird. Ein Notprogramm für Fremdkörper (mein Modell) ist evolutionär nicht vorgesehen und kann auch nicht antrainiert werden. Die einzige Überlebenschanche für mein Modell ist die, dass ich die Aktivierung meines Notprogrammes verhindere.
[-] Alle Ängste und Sorgen, die nichts mit dem Modellflug zu tun haben, versuche ich beim Umhängen meines Senders zu vergessen. Ein kleines Übergangsritual (z.B. vor dem ersten Flug des Tages 20 Sekunden innehalten) kann auch helfen.
[-] Falls das Modell selber Stress macht habe ich zwei Möglichkeiten: Ist der Fehler nicht gravierend und ist der Start sinnvoll dann starte ich, behalte den Fehler im Hinterkopf, überlege aber nicht ständig daran herum. Ist der Fehler gravierender wird er vor dem Start behoben.
[-] Ich versuche, meine Modelle sauber aufzubauen, und speziell bei Elektronik und Ruderanlenkungen keine Schwachstellen zu verbauen. Ein zuverlässig funktionierendes Modell beruhigt ungemein.
[-] Ich versuche während des Fluges zu vergessen, was das Modell gekostet hat und wie viele Baustunden drinstecken.
[-] Gegen allfälligen Übermut hilft sauberes und emotionsloses Abwägen von Chanchen und Risiken einer Figur.
[-] Müssen tue ich während des Fluges gar nichts, nicht einmal den Flieger heil oben behalten. Fliegen kann ich ja, da gibts nichts mehr zu müssen. Auch eine Figur oder ein Flugprogramm versuche ich nicht als Zwang sondern als Chanche anzusehen.
[-] Ich sorge dafür, dass die Trainings nicht unter Zeitdruck stattfinden und wenns dann doch mal sein muss, dann vergesse ich den Zeitdruck während dem Training. Für die Begrenzung der Trainingszeit gibt es Stoppuhren im Sender oder den Wecker in der Hosentasche [grins].

nach oben


12 Meine Erfahrungen verallgemeinert

Im Wesentlichen beschreibe ich hier eigene Erfahrungen und Eindrücke. Daher sind die meisten Texte hier auch in der "Ich"-Form geschrieben. Wenn möglich nehme ich zwar auch Erfahrungen von Modellflugkollegen mit rein, aber da ist die Datenlage momentan noch etwas dünn [scheu].
Da Menschen bezüglich Bewegungslernen ja grundsätzlich alle gleich ticken denke ich, dass sie vieles ähnlich erleben und daher aus meinen Beschreibungen auch nützliches für sich herauslesen können. Es kommt aber wohl immer wieder vor, dass sie eine Sache völlig anders erleben. Wenn sie wollen können sie mir zu einem derartigen Thema gerne Mailen und ihre Sicht der Dinge beschreiben. Ich versuche dann, diese Beschreibung so weit wie möglich hier einzubinden.

nach oben


13 Morgenflug

Ich fliege gelegentlich am Morgen, in echt etwa eine halbe bis eine Stunde nach dem Aufstehen, am Sim manchmal auch direkt nach dem Aufstehen. Dabei ändert sich gegenüber dem Fliegen am Nachmittag doch einiges:

STP/Grundlagen
[-] Verknüppler treten nicht häufiger auf als beim Fliegen am Nachmittag (manchmal eher seltener).
[-] Das Einfliegen dauert auch nicht wirklich länger
[-] Die Bewegungen des Modells wirken behäbiger und hölzerner (verschlafener eben) was aber das Figurenüben nicht wirklich beeinträchtigt
[-] Ich fliege viel entspannter und verkrampfe mich auch beim üben der übelsten neuen Figuren nicht
[-] Ich habe den Kopf völlig frei, die sorgen vom Vortag liegen eine Nacht zurück und der neue Tag ist noch zu jung, für dass sich viele Sorgen angehäuft hätten.

BFP/Programmflug
[-] Meine BFP-Performance ist am Morgen ziemlich gruselig, Abweichungen und Fehler überall, die Programme sind manchmal kaum erkennbar.
[-] Die Präzision steigt jedoch bereits nach wenigen Minuten kräftig an, nach einer halben Stunde ist sie bereits recht ordentlich.
[-] Ich gehe auch hier unverkrampfter an die Sache ran, z.T. gelingen hier plötzlich Figurenfolgen die bisher ums Verrecken nicht gelingen wollten.

Zusammenfassend kann ich sagen: Am Morgen fliege ich zwar behäbiger und ungenauer, dafür aber wesentlich entspannter und lockerer als am Nachmittag. Allen, die über ihre ersten Hüpfer hinweg sind empfehle ich wärmstens, das Fliegen am Morgen mal auszuprobieren, es ist auf seine ganz eigene Art wunderschön :-).

PS: Das Ganze gilt natürlich nur, wenn ich genügend geschlafen habe. Fliegen nach einer zu kurzen Nacht ist für mein Modell und mich ein eher einschlagendes Erlebnis...

nach oben


14 Motivation

Das Training an sich empfinde ich zum grossen Teil als anstrengend und nicht selten als langweilig. Meine Motivation schöpfe ich aus der Freude an dem was ich erreicht habe und der Vorfreude auf das, was ich noch erreichen möchte.

"Wofür mache ich das eigentlich, was ist mein Ziel?", diese Frage stelle ich mir immer wieder. Ein Ziel vor Augen hilft mir auch durch die mühsamsten Trainingsblöcke hindurch und das Gefühl nach einem geschafften Trainingsblock ist einfach zu schön um es nicht immer wieder zu erleben :-).

"Einfach besser werden" ist dabei als Ziel schon mal gut, aber noch nicht wirklich optimal, da irgendwie zu offen [zwinkern]. Ich habe meistens eine Anzahl Figuren oder ein Flugprogramm als Ziel, dabei gibt es recht fein gegliederte Nahziele und gröbere Fernziele. Irgendwo hinter den Fernzielen kommen die Träume...

Die weichen Zielsetzungen ("Ich trainiere solange wie ich lust habe." "ich trainiere solange bis das Gehirn dicht macht und maximal 2 Stunden.") sind zwar lerntechnisch einfach zu handhaben, für die Motivation sind sie aber nicht wirklich der Brüller. Die harten Zielsetzungen ("Ich gehe hier erst weg wenn die Figur klappt!") sind Motivation pur, allerdings nicht ganz einfach, da man zum erreichen dieses Ziels nicht selten über seine Leistungsgrenze gehen muss, inklusive Verkrampfen, Hormonschüben und akuter Modellgefärdung wegen Verknüpplern.
Einsteiger sollten sich ausschliesslich weiche Zielsetzungen setzen, Fortgeschrittene können durchaus auch mit den harten Zielsetzungen experimentieren, aber eben, mit der nötigen Vorsicht.

nach oben


15 Optische Informationen

Beim Steuern eines Modellflugzeuges spult das Gehirn des Piloten eine (sich in Echtzeit entwickelnde) Bewegungsfolge ab, welche es laufend mit den optischen Rückmeldungen über die Modlellage vergleicht, die Abweichungen zwischen Soll und Ist bestimmt und die Bewegungsfolge entsprechend anpasst. Schaut der Pilot jetzt vom Modell weg, Spult das Gehirn einfach die auf den letzten Optischen Informationen basierende Bewegungsfolge weiter ab. Je länger der Pilot wegschaut, desdo grösser werden die Abweichungen zwischen Bewegungsfolge und Realität, irgendwann Gerät das Modell dann ganz ausser Kontrolle.
Während dem STP muss der Pilot seinem Gehirn das Maximum an optischer Information geben, will heissen, er starrt genau auf das Modell. Der Preis dafür ist, dass er die Lage des Modells im Raum nur grob beeinflussen kann, da er diesen nur an den Rändern seines Sehfeldes wahrnimmt. IM BFP hingegen ist die Lage des Modells im Raum elementar Wichtig. Um diese richtig einschätzen zu können, muss der Pilot mit den Augen ständig zwischen Modell und verschiedenen Fixpunkten im Raum hin und her springen. Dadurch sieht er das Modell einen Grossteil der Zeit nur noch im Augenwinkel, er muss es quasi "alleine lassen". Die Präzision der Lage um die Längsachse leidet klar darunter, diesen Preis muss der Pilot aber zahlen, sofern er räumlich genau fliegen will. Mit zunehmender Übung und Erfahrung kann er diesen Präzisionsverlust aber sehr erträglich halten.
Je erfahrener ein Pilot ist, und je besser er mit einem Modell vertraut ist und je besser er das gerade Geflogene beherrscht desdo weniger optische Informationen benötigt er, um das Modell in der Luft zu halten. Oft genügt es, wenn er nur die Flugbahn sieht, die Lage um die Länsachse kann er aus der Flugbahn korrekt herleiten. Beispiele für schlechte optische Informationen wären z.B. der Flug in Richtung Sonne, Flüge in der Abdend-/Morgendämmerung, insekten im Auge [grins], eine Sehschwäche des Piloten oder das Fliegen bei Nebel oder Schneegestöber.

nach oben


16 Party!

[] [] [] []

Man sieht es auf den Bildern worum es geht, das Material für Slowflyer kostet unter 50 Franken, repariert sind sie schnell, genial und vor allem eng fliegen tun sie sowieso. Also die idealen Stimmungsgeräte zum rumheizen. Limbo unter Stacheldrahtzäunen, Fuchsjagd, Touch and Go bis ein Satz neuer Moosgummireifen fällig ist, Torquen auf dem Klo, Landen auf dem Schirm einer Strassenlampe, Winterfliegen mit Skis, alles ist möglich und macht Laune. Wichtig hierbei ist nur folgendes:
[-] Fliegen sie nur "Einsätze" für die sie bei allen benötigten Flugmanövern das STP abgeschlossen haben und auch die möglichen "Nachbarfluglagen" beherrschen. Während dem Fliegen haben sie garantiert keine Zeit über Ruderfunktionen nachzudenken und überall wos eng wird (sprich wo der Bauchharrier nötig wird) müssen sie Flächenflug, Harrier Messerflug und Torquen ebenfalls beherrschen, um wirklich sicher über die Runden zu kommen.
[-] Fliegen sie so, dass keine Menschen oder Tiere zu Schaden kommen oder fremdes Eigentum zerstört wird. Dann werden ihre Party-Einsätze meist geduldet und die Nachbarn haben auch ihren Gaudi daran.
Der Lerneffekt von Solchen Partyaktionen ist auch nicht zu unterschätzen. Einerseits lernen sie ihre persönlichen Grenzen (Umgang mit Stress etc.) sowie die (Festigkeits-)Grenzen ihres Modells kennen, sind Partyflüge ein feines BFP-Training.

Einige meiner "Einsätze der anderen Art" habe ich im Kapitel Party dokumentiert.

nach oben


17 Seinen eigenen Flugstil finden

Bereits bei den Grundlagen beginnen sie (bewusst oder unbewusst :-)) ihren eigenen Flugstil zu entwickeln. Irgendwann werden sie sich sicher fragen: Welches Figurenrepertoire will ich mir zulegen? Wo setze ich meine Schwerpunkte? Wie will ich die Figuren fliegen (von weich und fliessend bis zu hart und eckig, von chaotisch bis zu wohlgeordnet liegt alles drin), wie gestalte ich das ganze Drumherum? Die Entscheidung liegt beim Piloten selbst, und die kann (und soll) ihm keiner abnehmen. Beobachten sie jedoch andere Piloten, schauen sie sich Videoaufnamen von Flugprogrammen an, und quetschen sie andere Piloten darüber aus, wie sie eine Figur die ihnen gefällt denn genau fliegen. Nehmen sie sich das raus was ihnen zusagt, kombinieren sie es mit ihren eigenen Ideen und entwickeln sie sich daraus ihren ganz eigenen Flugstil.
Dieser Flugstil ist dabei keinesfalls in Stein gemeisselt sondern entwickelt sich laufend weiter. Er wird auch sehr stark von den Modellen die man selber Fliegt beeinflusst. Dies wird einem schlagartig bewusst, wenn wieder mal mit einem Modell fliegt, welches die letzten 2 Jahre im Keller gestanden ist. Viele Eigenschaften des Modells empfindet man jetzt anders, einige Negativpunkte von damals sind jetzt plötzlich sehr angenehm, umgekehrt sind einige der "herrausragenden" eigenschaften von damals heute nicht mehr so wirklich der Brüller. Die Entwicklung des eigenen Flugstils ist immer ein Mittelweg zwischen dem Anpassen des Flugstils an das akutelle Modell und dem Anpassen des Modells an den aktuellen Flugstil [grins].

nach oben


18 Strukturiertes lernen vs. planloses lernen

"Einfach drauflos fliegen und üben, üben, üben". Diesen Tipp hört man häufig als Antwort auf die Frage, wie man denn am besten Modellkunstflug lernen soll. Dieser "Versuch und Irrtum"-Weg ist machbar, aber nicht unproblematisch:
[-] Beim "Einfach mal so drauf losfliegen" landet man beim Modellkunstflug schnell mal an Grenzen, wo man schlicht nicht mehr weiterkommt. Um diese Grenzen zu überwinden ist strukturiertes, methodisches Arbeiten und regelmässiges Analysieren des eigenen Lernprozesses zwingend notwendig.
[-] Die Lerngeschwindigkeit hängt im Modellkunstflug extrem stark von den verwendeten Lernmethoden ab, mit der richtigen Methode lernt man problemlos um einige Faktoren schneller als mit der falschen.
[-] Wenn man sich diese ganzen Methoden mittels "Versuch und Irrtum" selber erarbeiten muss dauert das eine halbe Ewigkeit (glauben sie mir, ich weiss wovon ich rede [irr]).

Ich bin der Auffassung dass dem "Wie" beim Lernen eine enorme Bedeutung zukommt und man mit ein paar geeigneten Techniken um Faktoren schneller und entspannter lernt als mittels "Versuch und Irrtum". Meiner Meinung nach wäre es schon fast sträfliche Verschwendung von Zeit und Talent, wenn sich jeder Modellkunstflugpilot aufs neue wieder alle Lernmethoden selbst erarbeiten würde. Wenn man eine Bewegung mal kann dann kann man sie, unabhängig davon ob man sie mit der richtigen Methode schnell und effektiv erlernt oder sie sich mittels "Versuch und Irrtum" mühsam erarbeitet hat.

Aus diesem Grund gehe ich in meinen Übungsanleitungen ausführlich auf die Verschiedenen Lernmethoden mit ihren Vor- und Nachteilen ein. Gelegentlich kommt es dabei vor, dass ich gewisse Zusammenhänge sehr abstrakt beschreibe. Ich bin von meiner Ausbildung her (Maschinenbaustudium ETH) mit dieser Art des abstrakten Denkens vertraut, und bei gewissen Themen ist die abstrakte Darstellung halt deutlich besser handhabbar. Ich will sie mit meinen abstrakten Beschreibungen keinesfalls nerven, sie sind wirklich nur Mittel zum Zweck.

nach oben


19 Verschleiss

Über Absturzwahrscheinlichkeiten und deren Verringerung habe ich sie ja schon an anderer Stelle zugetextet [grins]. Hier gehts um die Wahrscheinlichkeit, die der Pilot am direkt eeinflussen kann, nähmlich sein Flugverhalten beim Kunstflugtraining. Hierbei scheint es zwei Gruppen zu geben:
[-] Die erste Gruppe fliegt mit dem Willen, das Modell nicht durch eigene Steuerfehler abstürzen zu lassen. Sie hält ihre Sicherheitshöhen ein, macht sich die Risiken einzelner Figuren bewusst und landet bevor die Konzentration völlig im Eimer ist. Diese Gruppe kann es sich leisten, das Modell sauber aufzubauen und in stundenlanger Arbeit einzutrimmen. Derartige Modelle sind auch nicht mehr auf Abstürze sondern höchstens noch auf harte Landungen ausgelegt.
[-] Die zweite Gruppe geht bewusst das Risiko eines Modellabsturzes ein und fliegt entsprechend tief und waghalsig. Die Ausprägungen gehen hier von gelegentlichem "ein bisserl zu tief fliegen" um die Vereinskameraden zu beeindrucken bis zum wilden Rumgeprügle in Bodennähe mit EPP-Modellen. Diese Gruppe hat entweder wenig Flugstunden/Monat (den rest der Zeit bauen/reparieren sie) oder schnell zu bauende bzw. stabile Modelle. Strukturiertes Training inkl. genauem Einstellen des eigenen Modells ist bei so einem Flugstil jedoch nur eingeschränkt möglich.

Die meisten Kunstflugpiloten gehören jedoch beiden Gruppen an, mit der 2.4m-Maschine gehen sie sehr sorgfältig um und mit dem 1m EPP-Modell heizen sie rum als gäbe es kein Morgen [grins].

Tipp
Ich empfehle allen Umsteigern aus der Schaumwaffelecke (tendenziell eher Gruppe 2 ;-)), die bereit sind viel zu trainieren um im Modellkunstflug richtig gut zu werden, sich ein oder mehrere Modelle zu suchen zu denen sie wirklich Sorge tragen wollen, und sich mit denen die Eigenschaften der ersten Gruppe anzugewöhnen. Damit kommt man im Modellkunstflug weiter.

nach oben


20 Wechsel

Wechsel der Flugweise waren bei mir immer etwas heikel und mit einigen Verknüpplern und Angstmomenten verbunden. Einige dieser Wechsel waren z.B.:

Simulator - Echtflug
Scheibe - Music-Bubble
Normalflug - Nahflug

Das Resultat war jeweils das Gleiche, in einer Flugsituation, die ich aufgrund meiner bereits vorhandenen Fähigkeiten PROBLEMLOS hätte meistern sollen, gab es massivste Probleme, und zwar nur deshalb, weil das Fliegen jetzt plötzlich in einem anderen Umfeld stattfand. Ich genoss bei diesen Wechseln jeweils das volle Programm evolutionstechnischen Schwachsinns: Herzklopfen, Schweissausbrüche, zitterige Hände, weiche Knie. Das alles wäre ja eigentlich kein Problem gewesen (obwohl meine schnelleren Servos meins zitterigen Hände jeweils zuverlässig in zitterige Ruder verwandelt haben :-) ). Viel mühsamer war die geistige Blockade: Alle Funktonen in der Aktiven, ständig drohende Hirnblockade, existenzielle Fragen ("Was mach ich hier eigentlich?") und mehr oder weniger schwachsinnige Flugroutengestalltung stellten jeweils eine ernste Gefahr für das Modell dar.

Woher diese (eigentlich absolut unbegründete!) Panik genau kommt weiss ich net, Fakt ist dass sie da ist, (auch wenn alle denken "Neee, bei mir nicht" und ihr Modell beim Wechsel dann bevorzugt versenken) und dass es ein par Tricks gibt, den Schaden für Mensch und Maschine möglichst gering zu halten. Im Folgenden möchte ich meine bisherigen Wechsel mal ein bisserl aufdröseln und Tipps für den möglichst reibungslosen Ablauf der Wechsel geben.

Simulator - Echtflug
Rein vom Trainingseffekt für die Reaktionsmuster her war sogar der Microsoft Flight Simulator 95 realistisch genug, um den Erstflug schadfrei zu überstehen. Und obwohl sich das Modell (Eine Depronscheibe) nach genau den gleichen Regeln bewegte wie dies Simulatorcessna war doch irgendwie alles anders. Ich versuchte mich zu entspannen und nicht daran zu denken, dass ich hier nicht in einem Simulator flog. Ich versuchte, alle Kopffunktionen fürs "logische" (und in diesem Moment fatale!) Denken zu deaktivieren. Derart zwangsentspannt habe ich dann auch den Erstflug sicher überstanden. Die Angst vor dem realen Flug mit dieser Scheibe verschwand dann innerhalb einer Flugstunde fast vollständig, ein gewisses (aber ständig abnehmendes) angespanntes Gefühl ist aber bis heute geblieben.. Der Unterschied zwischen Simulatorflug und dem Flug in Echt ist zumindest bei modernen Modellflugsimulatoren (Das Verhalten beim Strömungsabriss mal aussenvor gelassen..) nur noch psychologisch. Durch diese Psychologische Komponente besteht jedoch beim Erstflug für den Einsteiger extreme Gefahr, sein Modell zu versenken, da er die ersten paar Flugminuten scheinbar nichts mehr kann. Hier hilft einerseits, den Bauchflug sowie Start und Landung am Simulator intensivst zu trainieren, bis man das im Schlaf beherrscht, andererseits das Abschalten aller logischen Denkfunktionen und vollständiges entspannen während dem Erstflug in echt. Dann klappt das [OK].

Scheibe - Music Bubble
Sozusagen der dritte Erstflug. Zwischendrin bin ich fast ein Jahr mit Zweiachsseglern geflogen und konnte mir so die Fähigkeiten des Flugraumeinteilens aneignen. Beim Wechsel zum Music-Bubble hatte ich trotzdem wieder weiche Knie, obwohl ich wusste, dass ich ihn von den Reaktionen her problemlos beherrschen würde. Das Einfliegen des Bubble durch einen Kollegen sowie die ersten Akkuladungen lang gemütliches Rumgurken in genügend Sicherheitshöhe halfen auch hier, den ersten Flug bruchfrei zu überstehen.

Fernflug - Nahflug
Im Fernflug war alles prima, aber sobald ich mal richtig nahe an mich heranflog schnürte es mir regelrecht die Kehle ein und ich steuerte nur noch Mist. Auch der Nahflug ist eine reine Gewöhnungssache, die Angst verschwindet mit den Flugstunden, der Respekt sollte aber bleiben. Bei diesem Übergang hat der Pilot den grossen Vorteil, dass er den Übergang langsam und Stückweise gestalten kann (und auch sollte [irr]).

nach oben


21 Wie wird man Modellpilot?

Das Modellpilotenleben spielt sich in 2 Phasen ab:
Phase 1 reicht vom Entscheid, Modellpilot zu werden bis zum ersten zuverlässig fliegenden Modell samt zugehörigem Flugkönnen, Fachwissen im Kopf, noch mehr Fachwissen auf der Festplatte/im Büchergestell und einer Werkstatt mit Grundeinrichtung im Keller samt den baulichen Fähigkeiten des Piloten.
Phase 2 folgt direkt auf Phase 1. Der Modellpilot ist jetzt selbstständig und ist im Stande, sich das nötige Wissen und die nötigen Fähigkeiten anzueignen um sich in jede beliebige Flugmodellbau-Richtung durchzuarbeiten. Der Wechsel auf eine neue Richtung ist zwar immer noch mit grossem Aufwand und einigem Lehrgeld verbunden, sie Probleme sind aber nicht mehr derart unüberwindbar wie sie für den Einsteiger in Phase 1 sind.

Die Phase 1 ist aus vier Gründen relativ heikel und mühsam:
1. Das erste eigene Modell und vor allem das Drumherum erfordern beträchtliche Anfangsinvestitionen.
2. Flugmodellbau benötigt ein solides Hintergrundwissen und auch hier kommt der grosse Block am Anfang.
3. Der Einsteiger muss das Fliegen erlernen.
4. Um sich das Wissen anzueignen, das Modell und die Werkstatt aufzubauen und das Fliegen zu erlernen benötigt der Einsteiger viel Zeit und einiges an Durchhaltevermögen.

nach oben


22 Wind

Outdoor hat es eigentlich immer Wind, die Zeiten mit wirklicher Flaute (kein Lüftchen, kein Thermikschlauch weit und breit) sind selten und kurz. Mit einem 95cm Slowflyer mit 350g Kampfgewicht habe ich folgende Erfahrungen bezüglich Windgeschwindigkeiten gemacht:
0-0.2m/Sekunde: Geeeeeil, das ist Slowiewetter, da kann man (wenn man es kann [grins]) dynamischen Kunstflug ohne irgendeinen Wacker, Schlenker oder sonstigen Makel machen, da kann man Akku um Akku auf der Stelle leertorquen, DAS ist Fliegen mit Slowflyern. Wow!
0.2-1m/Sekunde: auch noch prächtig, es lässt sich alles trainieren, beim Torquen weht es einem halt langsam das Modell davon, aber was solls.
1-5m/Sekunde: Hier wird es zunehmend eklig, weil hier die ersten Wirbel und Böen ins Spiel kommen. Unser Modell beginnt unruhig zu fliegen und zu wackeln, beim Torquen macht man bereits ordentlich Strecke und der Harrier wird extrem kippelig und geht gegen den Wind bevorzugt rückwärts.
5-10m/Sekunde: Hier ist Essig mit 3D, diese Windstärke eignet sich eigentlich nur fürs Bahnflugprogramm bei Fahrtfiguren, und sonst für gar nichts mehr.
über 10m/Sekunde: Hier wird es kriminell, da die Windstärke jetzt die Horizontalgeschwindigkeit eines Slowflyers bei Halbgas überschreitet. Wenn ich hier ins Lee (dort wo der Wind hin weht) abgetrieben werde bekomme ich mein Modell nur noch mit Mühe wieder zurück.

Weiteres zum Wind
[-] Wind ist nicht gleich Wind. Je nach Windrichtung und Wetterlage kann er schön gleichmässig und unverwirbelt sein oder extrem verwirbelt und bockig sein. Diese Windrichtungen und Wetterlagen kennt man aber irgendwann für seinen Flugplatz.
[-] Die Windgeschwindigkeit und -Richtung ist sehr stark von der Höhe über Grund abhängig. Zum Teil kommt es vor, das am Boden Flaute ist und das Modell in 30m Höhe mit Vollgas rückwärts fliegt...
[-] Am Morgen ist eigentlich immer recht wenig Wind, und an windigen Tagen flaut dieser oft nach Sonnenuntergang schlagartig ab.

nach oben


23 Zeitbedarf

Bis man sein Modellkunstflugzeug wirklich gut beherrscht vergehen, genau wie bei einem Musikinstrument, Jahre und hunderte, wenn nicht tausende von Trainingsstunden. Und genau in dieser langen Trainingszeit, in der Langsamkeit des Fortschritts, liegt der Reiz der Sache. Es ist einfach nur wunderschön zu sehen, wie sich die eigenen Fähigkeiten über Jahre immer weiter entwickeln, wie vor einiger Zeit noch für unmöglich gehaltenes plötzlich funktioniert, wie sich der eigene Horizont mit jedem Training ein wenig weiter rausschiebt. Und wenn man dann bei einer Flugshow, bei einem Wettbewerb oder beim Genussfliegen all diese Fähigkeiten abrufen kann, dann liegt die Genugtuung neben der Magie des Augenblicks auch in dem Wissen, dafür Monate-, Jahre- oder auch Jahrzehntelang hart gearbeitet zu haben.

Gehen sie die ganze Sache entspannt an, sein sich sich bewusst dass gewisse Sachen erst nach Jahren funktionieren und versuchen sie nicht krampfhaft, eine bestimmte Sache möglichst schnell zu beherrschen. Und auch wenn es manchmal elend langsam vorwärts geht: In einem Jahr wird ihre (Kunstflug)Welt nicht mehr dieselbe sein :-).

nach oben

[Copyright] Fabian Günther
www.fabian-guenther.ch