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Bauweisen bei Modellkunstflugzeugen

Transportkiste

Version 6, 20.05.2008


Wenn schon, dann sollen Modellflugzeuge ehrenvoll sterben: durch einen Aufprall, so wie sich das gehört. Und sicher nicht durch Einklemmen in der Wohnungstür :-)).


Inhalt

1 Einleitung
2 Anforderungen
3 Bauweisen
        3.1 Grundsätzliches
        3.2 Papiertüte
        3.3 Schutztaschen
        3.4 Wellkarton-Kiste
        3.5 Holzkiste mit Deckel oben
        3.6 Holzkiste mit Deckel seitlich
        3.7 Alu-Holzkiste mit Deckel oben/seitlich
4 Bautechniken
        4.1 Material
        4.2 Kanten
        4.3 Inneneinrichtung
5 Ältere Versionen


1 Einleitung

Sofern der Pilot bereits fliegen kann und beim Fliegen entsprechend Sorge trägt entsteht ein Hauptteil der Beschädigungen an Modellflugzeugen beim Transport zum Flugplatz (Einklemmen in Auto- oder Wohnungstüren, Beschädigung durch Herumrollen im fahrenden Auto, Beschädigung durch unachtsame Fahrgäste im öffentlichen Verkehr) oder am Aufbewahrungsort.
In unserem Haus geht es recht eng zu und zum Aufbewahren muss ich die Modelle unter meinem Bett stapeln. Ausserdem fahre ich mangels Auto mit dem öffentlichen Verkehr zum Flugplatz, und gerade zu Stosszeiten ist es dort relativ eng und das Modell bekommt Konkurrenz von Kinderwagen und Gepäckstücken oder wird Opfer von neugierigen Kindern oder unachtsamen Fahrgästen.

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2 Anforderungen

Der Fall ist klar, hier muss eine Transport- und Aufbewahrungskiste her. Um die Grösse der Kiste in vernünftigem Rahmen zu halten müssen Fahrwerk, Tragflächen und Höhenleitwerk des Modells zwingend abnehmbar sein. Ein abnehmbares Seitenleitwerk ist ebenfalls von Vorteil. Ich unterscheide drei Verwendungen für die Kiste:

1. Auto
Das Modell wird in der Kiste in geschlossenen Räumen und im eigenen Auto transportiert.
[-] Die Kiste "bündelt" alle Modellteile und macht so das ganze Modell mit einem Handgriff transportierbar.
[-] Die Kiste hat halbwegs rechteckiges Format, so dass man das Auto vernünftig beladen kann.
[-] Kleinflächige Stossbelastungen durch Ecken/Kanten des Hauses/Autos werden abgefangen.
[-] Auf die Kiste wird nichts draufgestapelt, was wesentlich schwerer ist als die Kiste selber.
[-] Bei heftigen Bremsmanövern wird das Modell in der Kiste soweit gestützt dass es sich durch seine eigene Massenträgheit nicht selbst zerlegen kann.
[-] Die Kiste muss leicht und schnell gebaut sein und sollte nicht allzu teuer sein.

2. ÖV
Das Modell wird in der Kiste im Öffentlichen Verkehr transportiert.
[-] Die Kiste "bündelt" alle Modellteile und macht so das ganze Modell mit einem Handgriff transportierbar.
[-] Die Kiste hat halbwegs rechteckiges Format, so dass man sie auf der langen (=liegend) und auf einer kurzen (=stehend) Seitenfläche abstellen kann.
[-] Die Kiste hat keine scharfen Kanten oder herausstehende Teile, an denen irgend jemand hängen bleiben kann.
[-] Die Kiste hat mindestens an einer langen und einer kurzen Seitenfläche einen Handgriff, damit man sie je nach Platzverhältnissen unterschiedlich greifen und tragen kann.
[-] Die Kiste selbst bleibt halbwegs leicht, so dass man sie über grössere Distanzen tragen/ziehen kann.
[-] Für Gesamtgewichte ab 1kg hat die Kiste zusätzlich Rückenschlaufen, Umhängeriemen und/oder Räder für den Transport über längere Strecken.
[-] Kleinflächige Stossbelastungen durch Ecken/Kanten werden abgefangen.
[-] Punktuelle Stossbelastungen durch Spitze Gegenstände werden abgefangen.
[-] Grossflächige Druckbelastungen (Gedränge beim Ausstiegen, Zusammenstoss mit einem rennenden Passagier, Stapeln unter Gepäck) werden abgefangen.
[-] Lagerung in allen Laagen möglich.
[-] Oberfläche spritzwasserfest, so dass sie auch mal einen kurzen Regenschauer übersteht.
[-] Das Modell ist in der Kiste soweit fixiert, dass es auch aus einem Sturz aus 20cm Höhe keinen Schaden nimmt (entspricht etwa der Belastung beim groben Ablegen der Kiste im Gepäcknetz).
[-] Einigermassen leicht, so dass man die Kiste auch über längere Distanzen tragen kann.

3. Flugzeug
Das Modell wird von einem externen Unternehmen z.B. im Flugzeug transportiert.
[-] Kleinflächige Stossbelastungen durch Ecken/Kanten.
[-] Punktuelle Stossbelastungen durch Spitze Gegenstände.
[-] Grossflächige Belastungen, Stapelbarkeit mit schwerem Gepäck obendrauf.
[-] Lagerung in allen Lagen
[-] Über längere Distanzen tragbar
[-] Die Kiste und das Modell darin müssen einen Sturz aus 1m Höhe in jeder Richtung ohne Beschädigung überstehen.

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3 Bauweisen

3.1 Grundsätzliches

An Bauweisen kann man drei Typen unterscheiden:
[-] Nicht formdefinierte, weiche Hüllen (Stoffhüllen, Papiertüten etc.). Einfach und schnell herzustellen, leicht, platzsparend zu verstauen. Schutzwirkung nicht allzu gross.
[-] Kisten mit rechteckigem Querschnitt, ohne abstehende Teile (Alle Verschlüsse etc. in die Kiste eingelassen). Sehr gut zu transportieren, ideal zu stapeln. Aufgrund der höheren Wanddicke jedoch grösser und schwerer.
[-] Kisten mit beliebigem Querschnitt und herausstehenden Teilen. Sofern Füsse zum sicheren Abstellen montiert sind: Leicht, einfach zu bauen, gut abzustellen, sehr stabil, klein. Jedoch schlechter stapelbar, Gefahr des Hängenbleibens.

Tricks
[-] Kisten, die beim Stapeln nicht allzu viel Gewicht aushalten, sollte man mit einer flachen Unterseite und einer runden Oberseite versehen. So kommt von Anfang an gar niemand auf die Idee hier etwas grosses draufzustapeln.
[-] Orientieren sie sich bei der Formgebung der Kisten an Instrumentenkoffern, bei denen wissen die Leute instinktiv, das da ein zerbrechlicher Inhalt drin ist.
[-] Sorgen sie dafür, das die Kiste von aussen nicht allzu stabil aussieht :D.

3.2 Papiertüte

[] Mit diesen Tüten transportiere ich gelegentlich meine Schaumwaffeln zwischen Bern und Zürich hin und her. Die Schaumwaffeln selber sind robust genug, die Tüte hält das Ganze zusammen und verteilt die Stösse ein kleines bisschen. Wenns wirklich eng wird im Zug dann kann ich beim Shockflyer auf dem nebenstehenden Bild auch noch die Leitwerke abmontieren. Für robuste Modelle und Verwendung Auto,(ÖV).

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3.3 Schutztaschen

[] Die bekanntesten Vertreter dieser Gattung sind Flächenschutztaschen, aber auch für Rümpfe gibt es Schutztaschen. Diese sind entweder aus (beschichteter) Luftpolsterfolie oder aus Stoff mit Schaumstoffeinlage gefertigt. Diese Taschen bieten guten Schutz gegen Kratzer und kleine Stossbelastungen, sie lassen sich auch als "erste Haut" in Transportkisten verwenden. Für Verwendung Auto.

Käufliche Schutztaschen sind z.B die Fly-Packs von EMS [extern].

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3.4 Wellkarton-Kiste

Diese bieten, sofern gescheit ausgepolstert, schon deutlich mehr Schutz als die Schutztaschen. Auch kann man sie Stapeln, sofern mans mit dem Draufstapeln nicht übertreibt. Bei kleinflächigen Stossbelastungen oder grossen Gesamtbelastungen kommen diese Kisten jedoch schnell an ihre Grenzen. Ausserdem wird der Wellkarton mit der Zeit weich. Für Verwendung Auto,(ÖV).

Im Folgenden eine Transportkiste für meine 95cm-Shockys. Wenn man vor der Kiste steht realisiert man erst wie gross diese Shockys eigentlich sind ....

[Transportkiste] [Transportkiste]

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3.5 Holzkiste mit Deckel oben

Meist aus geklebtem und ev. zusätzlich verschraubtem Sperrholz, Kanten lassen sich mit Vierkantöhlzern zusätzlich verstärken. Für Beanspruchungsstufen 1,2,(3)

Auf dem folgenden Bildern ist meine momentane Transportkiste für meine AJ-Extra abgebildet. 8mm Sperrholz, Klappdeckel, Klavierscharniere und Gurtband als Tragegurt. Die Verschlüsse sind Stallschlösser aus der Landi, die Sperrholzplatten sind mit Weissleim geklebt und zusätzlich verschraubt. Die Verschlüsse sind so ins Holz eingelassen das bei der Kiste nichts übersteht. Wenn ich mit der Polsterung soweit fertig bin kann man die Kiste auch auf den Kopf stellen ohne das das Modell darin Schaden nimmt. Durch das abnehmbare Seitenruder ist die Kiste schön kurz, ausserdem steckt das Modell jetzt auch Stösse aus Richtung des Seitenruders problemlos weg. Für Verwendung Auto, ÖV, (Flugzeug)

[Transportkiste] [Transportkiste] [Transportkiste] [Transportkiste]

In der Kiste ist auch eine kleine Kartonkiste mit allem für den Aufbau der AJ-Extra benötigten Werkzeug untergebracht.

[Transportkiste] [Transportkiste]

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3.6 Holzkiste mit Deckel seitlich

Gleicher Aufbau wie bei den Holzkisten mit Deckel oben, das Modell landet hier aber in einer separaten Karton-Innenkiste, welche dann in die Aussenhülle hineingeschoben wird. Durch die kleinere Deckelfläche können diese Kisten bei gleicher Masse stabiler gebaut werden als die mit Deckel Oben. Für Verwendung Auto, ÖV, (Flugzeug)

Ein Entwurf für Shockflyer, welcher das Prinzip verdeutlichen soll:

[Transportkiste]

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3.7 Alu-Holzkisten mit Deckel oben/seitlich

Dies sind im wesentlichen die Kisten, die auch zum Transport von Bühnenequipment verwendet werden. In der Schweiz bekommt man Material sowie fertige Kisten z.B. bei Swisscase [extern]. Für Verwendung Auto, ÖV, Flugzeug

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4 Bautechniken

4.1 Material

Für die Aussenhülle kommen GFK/CFK/Kevlar, Flugzeugsperrholz (2-6mm), Baumarktsperrholz (4-10mm), Kunststoffplatten sowie Aluplatten in Betracht.

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4.2 Kanten

Die Knacknuss bei allen Kisten sind die Kanten, wenn man z.B. die Sperrholzplatten einfach stumpf aufeinander klebt kreiert man ne wunderschöne Sollbruchstellen. Im Folgenden einige Vorschläge.

Sperrholz:

[Transportkiste] [Transportkiste]

Aluminium, Kunststoff

[Transportkiste]

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4.3 Inneneinrichtung

Die stabilste Kiste nützt nichts, wenn sich das Modell im Inneren bei einem Sturz durch seine eigene Massenträgheit zerlegt. Bei Zweckmodellen und Seglern ist die Sache nicht so problematisch, deren Rümpfe sind recht unempfindlich. Bei Kunstflugmodellen mit ihren knickempfindlichen Riesenrümpfen wirds da schon richtig unangenehm.

Einzelfächer
[Transportkiste] Die (von oben aufklappbare) Kiste wird durch Zwischenwände (im Bild rot) in vier verschiedene Bereiche aufgeteilt, in denen jeweils der Rumpf, die Tragflächen (in Flächenschutztaschen), HLW und SLW (Ebenfalls in Schutztaschen) sowie das Werkzeug Platz finden.

Block
[Transportkiste] Die Tragflächen sowie HLW und SLW werden in Styropornegative gepackt, die so geformt sind dass der Rest der Kiste gerade den Platz für den Rumpf ergibt. Stösse von der Seite, von hinten, von oben und von unten hält der Rumpf so problemlos aus, bei Stössen von vorne empfiehlt sich ein Styroporklotz zwischen Motorwelle und Kistenwand, so dass das Modell etwas federt. Bei einem Stoss von hinten klemmt das Model in dem Keilförmigen schacht ein, die Kräfte werden sehr gleichmässig auf den Rumpf verteilt.

Wenn man da noch eins draufsetzen will kann man zusätzlich den gesamten Rumpf in ein Styro-Negativ einpacken, zusammen mit den Tragflächennegativen ergibt das dann einen kompakten und stabilen Blok, die Aussenhülle kann dann extrem leicht gebaut werden da sie nur noch die Kräfte von Ecken und spitzen Gegenständen ins Styropor einleiten muss, in sich aber keine Eigenstabilität mehr aufweisen muss.
Anstatt Styropor kann man auch Styrofoam nehmen, in Verbindung mit einer Hülle aus dickem Sperrholz oder Aluminium mit Stahleinsätzen in den Ecken geht das ganze dann langsam aber sicher in Richtung atombombensicher ;-).

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5 Ältere Versionen

Versoin 2: 29.04.2007

[Transportkiste]

Durch das abnehmbare HLW wurde die Kiste schon deutlich kleiner, zurück blieb noch das Problem mit den fehlenden Verschlüssen (ich habe das Ding einfach mit Klebeband zugeklebt) und die Empfindlichkeit auf Stösse aus Richtung des Seitenruders.


Version 1: 03.01.2007
Meine erste Transportkisten-Version für die AJ-Extra war folgendes Ungetüm:

[Transportkiste] [Transportkist] [Transportkist]

Die Kiste war aus 8mm Sperrholz (günstiges fünflagiges aus dem Baumarkt) aufgebaut. Der Deckel ist mit Sperrholzstreifen gegen Verrutschen gesichert und mit sechs M5-Schrauben mit der Kiste verschraubt. Als Gegenlager in der Kiste dienen eingeklebte Holzklötze mit Einschlagmuttern. Die Enorme Grösse resultierte aus dem damals noch nicht abnehmbaren HLW.
Ihren Zweck erfüllte die Kiste zwar, aber eben, sie war riesig. Nachdem ich der Extra ein abnehmbares HLW verpasst hatte habe ich sie dann zu Version 2 zusammengeschrumpft.

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[Copyright] Fabian Günther
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