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Projekt IOM

Version 1, 12.02.2008


[Jungfernfahrt] [Jungfernfahrt]

Im Herbst 2002 musste ich mich am Gymnasium Köniz für eine Maturarbeit zu entscheiden. Ein Modellbauthema war klar, nur was genau? Ich wollte unbedingt etwas bauen, und weil ich damals das Gefühl hatte, ein HLG wäre zu kompliziert und könnte ja abstürzen (Denkfehler, hinterher ist man immer klüger ;-)) beschloss ich, ein ferngesteuertes IOM-Segelboot[extern] zu bauen.


Inhalt

1 Der erste Versuch
2 Die Fortsetzung
3 Die Jungfernfahrt



1 Der erste Versuch

Was dann begann war ein Musterbeispiel für ein Projekt das wegen falscher Planung vollständig aus dem Ruder läuft. Ich hatte mir ohne es zu ahnen ein recht komplexes Projekt vorgenommen, abgesehen davon habe ich bis zum Schluss nicht den Überblick über die physikalischen Zusammenhänge bekommen, die vielen beim Segelboot ineinanderspielenden Mechanismen waren damals zu viel für mich. Zusätzlich vollzog ich mit dem Bau dieses Bootes den Einstieg in die Faserverbundwerkstoffe, mit dem dazugehörigen Chaos bei Material und Werkzeugen.
In Kombination mit meiner schier explodierenden Informationssammlung, meinem bescheidenen handwerklichen Geschick und dem Verlust des Gefühls für Kosten-Nutzen verzettelte ich mich noch und noch, kam nicht vorwärts und unterschätzte als Krönung noch den Zeitaufwand für das Erstellen der eigentlichen schriftlichen Maturarbeit. Zurück blieben als Maturarbeit 20 Seiten Text, 80(!) Seiten Skizzen, Zeichnungen und "Berechnungen", ein Bundesordner an Material, etliche Megabyte an Informationen, ein halbfertiges Boot und ein erschöpfter Erbauer. Ich beschloss, die Sache mal für einige Jahre Ruhen zu lassen.

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2 Die Fortsetzung

[] Im Winter 2006/2007 holte ich das Boot wieder aus der Ecke. Grund dafür war ein selbstgeschriebenes Excel-File mit welchem ich die Verdrängung anhand des Spantenrisses relativ präzise annähern konnte. Die Berechnungen in diesem File sagten voraus dass mein Boot schwimmen und ordentlich segeln würde. Bevor ich wieder ans Werk ging, setzte ich die Zielsetzungen aus dem ersten Versuch auf erträgliche Dimensionen herab. Die Neuen Zielsetzungen lauteten:


[] 1. Das Boot muss schwimmen, d.h. bei Null wie bei 30 Grad Krägungswinkel genügend Auftrieb liefern.
2. Das Boot muss dicht sein.
3. Das Boot muss alle Belastungen aushalten.
4. Das Rigg darf sich im Betrieb nicht verhaken.
5. Das Boot muss unter 5.5kg bleiben.
6. Das Boot muss soweit segeln, dass es zum Sammeln der ersten Erfahrungen mit dem Segeltrimm taugt.

Punkt 1
hatte ich mit dem Excel-File abgecheckt, der passte.

Punkt 2
bereitete Probleme:
[-] Die Verklebung der Deckskante hatte im ersten Versuch nicht geklappt und war eher punktuell als flächig. Der Grossteil der Deckskante bestand aus Löchern im Millimeterbereich. Ich schliff die Deckskante schliesslich rund und laminierte eine Lage 160 Glasgewebe, im Bereich der Wanten 2 Lagen, darüber. Die anfänglichen Bedenken dass ich das 160er Glasgewebe nicht um die engen Kanten bekommen würde lösten sich nach dem ersten Versuch mit einem Probestück in Luft auf, es funktionierte einwandfrei.
[-] Das Messingröhrchen für die Antennendurchführung habe ich als potenzielles Leck identifiziert, abgefräst und überlaminiert. Das Steuerrohr habe ich erneut abgedichtet, für die Antennenführung nach aussen sorgt jetzt ein durch ein Loch im Deck geführtes Antennenkabel, das Loch habe ich dann mit Klebstoff verschlossen.
[-] Die beiden Deckel waren ebenfalls ein Problemfall, wenn man die verwendeten Fensterdichtungen jedoch grosszügig einfettet funktioniert die Sache erträglich.
[-] Die Durchführungen für die Segelwindenschlaufe durch das Deck sind potentielle Lecks, bei ruhigem Seegang aber nie unter Wasser. Von dem her ist das OK.
[-] Dem Wasserauslassventil im Bug habe ich ein M4-Gewinde samt Schraube verpasst, jetzt ist dort auch Ruhe.

Punkt 3
Ich hatte von Anfang an stabil gebaut und mit dem Laminieren der Deckskante war auch die letzte potentielle Schwachstelle weg.

Punkt 4
war eine langwieriger Probiererei und bereitete einiges Kopfzerbrechen. Das Resultat ist zwar noch meilenweit von den minimalistischen Schotführungen der Profis entfernt, aber es funktioniert und für den ersten Versuch ist das in Ordnung.

Punkt 5
Habe ich mit 5.2 kg geschafft.

Punkt 6
wollte ich so bald wie möglich auf dem Schwarzsee ausprobieren.

[Yak] [Yak] [Yak] [Yak] [Yak] [Yak]

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3 Die Jungfernfahrt

[] Bis zur Jungfernfahrt hat es dann doch bis am 29.03.2008 gedauert. In der Zeit bis dahin konnte ich immerhin in einem Tümpel feststellen, dass das Schiff genügend Auftrieb liefert :-).

Die Jungfernfahrt selber fand auf dem Bodensee nahe Romanshorn statt, die Eltern eines ETH-Kollegen besitzen dort ein Segelschiff, von diesem aus haben wir dann mein Segelboot gewassert. Das Einwassern vom Schiff aus hat den enormen Vorteil, das man mit dem Schiff jederzeit zum Boot fahren kann, sollte sich da mal was verheddern. Und solange das Boot in der nähe des Mutterschiffes bleibt hat profitiert es sogar von dessen Vorfahrtsrecht .

[] Nach dem Einwassern des Bootes kam für mich die grosse Überraschung: Das Ding segelte, wie wenn es noch nie was anderes getan hätte! Nach den ganzen Enttäuschungen im Vorfeld hätte ich mit so ziemlich allem gerechnet, nur nicht damit.
Die nach Gefühl eingestellte Mastposition stellte sich als richtig heraus, der Handgelenk mal PI zusammengeschusterte Segeltrimm funktionierte nach zwei kurzen Modifikationsrunden (Baumniederholer spannen, hintere Fockhalterung nach hinten schieben, Fockwinkel gegenüber dem Grossegel verkleinern, Gegengewicht an der Fock anbringen) hervorragend. Das Boot lag gut im Wasser und neigte trotz merklichem Wellengang kaum zum schaukeln, am Wind war es leicht luvgierig. Die gesamte Mechanik funktionierte einwandfrei, während der gesamten 3-Stündigen Fahrt verhakte sich nie Etwas. Der Wind war anfangs nur schwach und wechselte auch alle 5 Minuten seine Richtung, mit der Zeit wurde es besser, über Windstärke 2 sind wir aber nie wirklich hinausgekommen. Nach der Fahrt hatte ich ca. einen halben Milliliter Wasser im Boot, die Kiste ist also effektiv dicht .

-> Weitere Bilder von der Jungfernfahrt gibts hier

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[Copyright] Fabian Günther
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