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Wichtige Hinweise für Einsteiger

Version 2, 28.06.2007

Auf dieser Seite möchte ich einen Überblick über die Methoden geben, mit denen ein Neueinsteiger in den Modellflug einsteigen kann.

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Überlegungen und Begründungen zu den Tatsachen und Folgerungen auf dieser Seite gibts hier: Überlegungen zum Einstieg.


Inhalt

1 Alles oder Nichts
2 Der Weg vom Nullpunkt zum Traummodell
         2.1 Das erste Modell
         2.2 Die Modellreihe
         2.3 Hintergrundwissen
         2.4 Hilfe von erfahrenen Piloten
         2.5 Weiter Gehts


1. Alles oder Nichts

Zuallererst, bevor wir hier irgendwas anderes machen, möchte ich ihnen ein paar Tatsachen an den Kopf werfen:
Tatsache 1: Modellflugzeuge benötigen eine gewisse Minimalgeschwindigkeit um überhaupt fliegen zu können.
Tatsache 2: Zum Landen kann man Modellflugzeuge nicht einfach irgendwie auf den Boden klatschen, das halten sie stabilitätsmässig nicht aus. Die Landung muss sehr vorsichtig erfolgen und erfordert einiges an Können.
Tatsache 3: Bereits die Bewegungsenergie die das Modell durch die Mindestgeschwindigkeit hat reicht aus, um es bei unglücklicher Bodenberührung schwer zu beschädigen, auch wenn es nur einen Meter über dem Boden fliegt.
Tatsache 4: Ein Motorflugzeug, welches im Bauchflug voll steuerbar sein soll, muss mindestens 2 Ruderfunktionen (Höhenruder und Querruder oder Höhenruder und Seitenruder) sowie den Motor proportional angesteuert haben. Alles darunter stellt in irgendeiner Form einen Kompromiss dar und geht nicht mehr als voll steuerbar durch.
Tatsache 5: Vielleicht 5 Prozent der Neueinsteiger schaffen es, ohne vorheriges Flugtraining ein eigenstabil fliegendes Modell sicher zu starten, zu fliegen und zu landen. Der Rest wird im Verlauf des ersten Fluges mehr oder weniger unsanft auf den Boden klatschen.
Tatsache 6: Ein Modell ohne das nötige aerodynamische und bautechnische Hintergrundwissen flugfähig aufzubauen ist fast unmöglich.
Tatsache 7: Selbst wenn sie Bewegungsschemen für das Fliegen bereits beherrschen (z.B. durch Simulatortraining) werden sie beim erstflug wegen extremer Nervosität wahrscheinlich bruch machen. Das ist genau derselbe Mechanismus wie bei den ersten Referaten in der Schule, beim üben Zuhause funktioniert alles wunderbar und in der schule bringt man vor lauter Aufregung keinen vernünftigen Satz zustande.

Aus diesen Tatsachen lassen sich mehrere Folgerungen ableiten:
Folgerung 1: Wenn man mit einem Modellflugzeug im Flug mal nicht mehr weiter weiss, kann man nicht einfach stehen bleiben wie mit einem Modellauto, da ein Modellflugzeug bei der Unterschreitung der Mindestgeschwindigkeit einfach vom Himmel fällt. Beim Modellflugzeug muss man solange steuern, bis man wieder gelandet ist, "Zwischenpausen" in der Luft sind nicht möglich.
Folgerung 2: Der "Notausstieg" durch schnelles Landen, wenn man nicht mehr weiter weiss, funktioniert auch nicht, da man zum Landen noch einmal ein bisserl mehr können muss als zum Fliegen.
Folgerung 3: Um bei der Fluggeschwindigkeit irgendwie steuerbar zu bleiben müssen Modellflugzeuge einigermassen steif sein, die Ruder müssen sauber angeschlagen und angelenkt sein und das Modell muss halbwegs gerade zusammengebaut sein.
Folgerung 4: Für die Ansteuerung der Ruder und des Motors braucht es eine Fernsteuerungsanlage und entsprechend Elektronik im Modell.
Folgerung 5: Bei einem Modell, welches Folgerung 3 und Folgerung 4 erfüllen muss, kann man mit dem Preis (und damit mit der Qualität der Zelle und der Elektronik) nicht beliebig runter gehen. Irgendwann kommt der Punkt, wo bei weiterer Preisreduktion eine der geforderten Fähigkeiten nicht mehr gegeben werden kann. Und dieser Punkt liegt preislich recht hoch.
Folgerung 6: Sobald das Modell in der Luft ist ist es aufgrund seiner Geschwindigkeit bei Bodenberührung stark bruchgefärdet, egal ob man jetzt 50m hoch fliegt oder 1m!
Folgerung 7: Die Wahrscheinlichkeit, dass sie zu den 5 Prozent gehören die ein Modell ohne vorheriges Training steuern können ist so gering das sie diese Option gleich wieder vergessen können.
Folgerung 8: Auch 1m über dem Boden sind die Schäden bei Bodenberührung noch gross genug, langsames Herantasten mittels Abheben, 20m Geradeausfliegen und bei Problemen wieder Landen funktioniert folglich nicht.
Folgerung 9: Um das Lampenflieber beim Erstflug nach ausgiebigem Simulatortraining in den Griff zu bekommen benötigen sie ebenfalls Hilfe.

Diese Tatsachen und Folgerungen lassen sich zu einer einzigen Aussage zusammenfassen:

Modellflug Funktioniert nach dem Prinzip "Flieg oder Stirb"

[-] Das Modell benötigt eine gewisse Qualität und muss sauber gebaut sein. Ein "Reinschnuppern" mit einem Billigst-Modell läuft also nicht.
[-] Wenn der Einsteiger das erste Mal abhebt ist der "Point of no return" überschritten, dann muss er fliegen können und seine Nerven im Griff haben.

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2 Der Weg vom Nullpunkt zum Traummodell

So, wenn sie Einsteiger sind, dann haben sie jetzt ein Problem: Um ihren Erstflug sicher zu überstehen müssen sie wie im vorigen Kapitel erwähnt Bauen und Fliegen können, nur wo sollen sie dass denn lernen, wenn beides beim ersten Versuch gleich klappen muss?

Es gibt einige Methoden um dieses Problem zu bewältigen. Diese Methoden möchte ich ihnen im Folgenden vorstellen.


2.1 Das erste Modell

Im ersten Schritt geht es darum, das Fliegen zu erlernen, so dass sie am Schluss ihr erstes Modell sicher durch die Luft bewegen können. Das erste Modell ist dabei recht robust, verzeiht Flugfehler grosszügig, bietet gleichwohl Potential um sie einige Monate zu beschäftigen und fliegerisch weiterzubringen, ist einfach aufzubauen, einfach zu reparieren und recht günstig.
Um dieses Ziel zu erreichen haben sie 4 Möglichkeiten:

1. Try and error
Sie bauen sich ihr erstes Modell, starten es, stürzen ab, reparieren es wieder, starten erneut, stürzen wieder ab, reparieren wieder etc... Wenn sie sich schlau anstellen werden ihre Flugsequenzen immer länger und irgendwann können sie das Modell fliegen...
Machen sie das um Himmels Willen nicht so! Diese Methode ist eine absolut sinnlose Verschwendung von Zeit, Energie und Material und sie kommen, falls sies überhaupt schaffen, innert nützlicher Frist auf keinen grünen Zweig. Auch die Legende, das durch das ständige Abstürzen die "Personlichkeit" des Piloten geformt wird ist völliger Humbug, das einzige was bei dieser Aktion geformt wird sind vielleicht Magengeschwüre, und die haben keine Persönlichkeit .

2 Fluglehrer
Der Fluglehrer verbindet ihre Fernsteuerung über ein Kabel mit Seiner. Sie können ihr erstes Modell steuern, und sobald sie in der Luft Mist bauen beginnt der Lehrer zu steuern, fängt das Modell ab, stabilisiert es wieder und lässt sie weiterfliegen. Während der Lehrer seine Knüppel bewegt empfängt das Modell nur noch seine, aber nicht mehr ihre Steuersignale. Dieses System wird als Lehrer-Schüler-System bezeichnet.
Mittels Lehrer-Schüler-System ist es möglich, das Fliegen mit dem ersten Modell bruchfrei zu erlernen. Weiter hat man einen Profi neben sich, der einem mit Tipps hilft und sich entwickelnde schlechte Angewohnheiten schon früh erkennt und sie darauf aufmerksam macht. Diese Methode funktioniert sehr gut. Sofern sie einen Fluglehrer finden, der sich die benötigte Zeit nimmt: Zuschlagen, so eine Gelegenheit hat man nicht oft!

3 Simulator
Am Simulator erlernen sie die fliegerischen Grundlagen. Die Sache basiert dabei wie beim Lehrer-Schüler-System darauf, dass ein Steuerfehler für Modell und Pilot keine Konsequenzen hat. Während in echt der Fluglehrer eingreift und einen Absturz verhindert stürzen sie im Simulator zwar bei jedem groben Fehler ab, das Modell steht aber nach wenigen Sekunden wieder abflugfertig auf der Piste. Sobald sie das Modell im Simulator beherrschen können sie auf ihr erstes Modell in echt wechseln.
Bei den ersten Flügen in echt sollten sie sich ans Lehrer-Schüler-Kabel nehmen lassen (siehe Variante Fluglehrer), rein durch die Aufregung fallen die meisten Simulatorschüler beim Erstflug sonst wie ein Sack Kartoffeln vom Himmel...

4 Dummys
Sie Arbeiten sich über eine reihe von Dummymodellen hoch. Diese Dummys fliegen derart eigenstabil, dass sie auch der blutigste Anfänger nicht versenken kann. Bei denen kann man voll Seitenruder reinhauen, die fliegen einfach nur ne Kurve. Sobald sie einen Dummy, der ihrem ersten "richtigen" Modell schon recht nahe kommt, sicher beherrschen, können sie auf ihr erstes Modell wechseln.
Die Dummymethode funktioniert, allerdings werden sie innert weniger Wochen mehrere Dummys durcharbeiten. Sobald sie nämlich die Sache mit links-rechts raus haben, bietet ihnen der erste Dummy keinerlei Möglichkeiten mehr fürs weitere Training. Sie müssen ihn dann entsprechend umbauen (oder einen neuen bauen), so dass er empfindlicher auf das Höhenruder reagiert und ihnen so die Möglichkeit bietet, mit dem Training fortzufahren. Diese Um- oder Neubauerei ist teuer und zeitintensiv.
Die Dummymethode funktioniert zwar, ist aber übelst aufwändig. Methode 2 und 3 gehen da bedeutend eleganter. Besser als Methode 1 ists aber allemal.

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2.2 Die Modellreihe

Nehmen wir jetzt an, Sie haben es geschafft, der erste Alleinflug mit dem ersten Modell ist heil überstanden. Und Ihr Ziel ist ein Turbinenjet...
Beginnen sie, mit ihrem ersten Modell zu trainieren, bis sie es blind und in allen Manövern, die möglich und sinnvoll sind, beherrschen. Sobald sie soweit sind, können sie auf ein schwieriger zu fliegendes Modell wechseln und sich so über mehrere Modelle zum Wunschmodell hochhangeln.
Die Schwierigkeit besteht hier darin die Schritte zwischen den einzelnen Modellen nicht zu gross und nicht zu klein zu machen. Zu grosse Schritte bedeuten einen Absturz des neuen Modells, mit zu kleinen Schritten kommen sie innert nützlicher Frist nicht vorwärts.
Wenn sie die Modelle auch in der Bauausführung immer anspruchsvoller werden lassen, dann eignen sie sich auch die benötigten Baukenntnisse stückweise an.

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2.3 Hintergrundwissen

Für den Aufbau und den Betrieb ihrer Modelle (das gilt ganz besonders für ihr erstes Modell!) benötigen sie einiges an Hintergrundwissen über das Fliegenlernen, über Komponenten, Aerodynamik und Bautechniken. Einiges davon finden sie auf meiner Webseite, entweder in Form von Texten oder in Form von Links zu anderen Seiten. Im Laufe der Zeit bauen sie sich so ihren eigenen Wissensschatz auf.

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2.4 Hilfe von Erfahrenen Piloten

Bei jedem Wechsel auf eine neue Modellklasse (und ganz besonders beim ersten Modell): Bitten sie einen erfahrenen Piloten, dem sie vertrauen, ihnen bei der Modellauswahl und beim Aufbau wo nötig zu helfen. Lassen sie insbesondere ihr erstes Modell vor dem Erstflug von einem erfahrenen Piloten durchchecken, der sieht eventuelle Baufehler meistens noch am Boden.

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2.5 Weiter Gehts

So, das wars schon vom Grundsätzlichen her. Sie können sich jetzt getrost kopfüber ins Hobby Modellflug stürzen. Die nächsten paar Seiten auf meiner Homepage sollen ihnen dabei helfen, die ganzen Details des Einstieges zu meistern.

Viel Erfolg :-).

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[Copyright] Fabian Günther
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