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Übungen im Grenzbereich

Version 1, 21.09.2007

Liebe Einsteiger (und Ex-Einsteiger), ihr kennt das :-). Schneller als ihr "Grenzbereich" sagen könnt befördert ihr euer Modell in eine völlig abartige Fluglage, Position und Ruderreaktionen jenseits von Gut und Böse und 2 Sekunden später gehts abwärts. Wenn ihr die Nerven behaltet und die Maschine dann 10m laufen lasst, dann könnt ihr sie wieder fangen und normal weitermachen. Und die nächste halbe Flugstunde fragt ihr euch leicht verwirrt, wie ihr es eigentlich geschafft habt, euer Modell dieses Manöver reinzubekommen...


Inhalt

1 Die Grundsatzfrage
2 Die Festigkeit
3 Die Fluglagen
4 Tiefflug



1 Die Grundsatzfrage

Als Kunstflugpiloten bewegen wir unsere Modelle ja ständig im Grenzbereich zwischen Gut und Böse, zwar immer kontrolliert, aber doch hart an der Grenze. Beim Training in diesen Grenzbereichen gibt es zwei Strategien:

1. Sie steuern extrem vorsichtig, arbeiten sich langsam in den Grenzbereich vor und geben tunlichst Acht, das sie nie die Kontrolle verlieren oder die Grenze überschreiten.
2. Sie loten aus, wo die Grenze etwa liegt, holen Anlauf und brettern voll durch :-).

Variante 1 macht einigen Figuren (Tiefflug, Belastungsgrenzen) systembedingt ;-) Sinn, bei allem Anderen würde ich Variante 2 empfehlen. Dadurch lernt man das Modellverhalten im Grenzbereich besser kennen, weiss was nachher kommt und kann richtig reagieren. Dieses Wissen führt zu einem entspannteren und saubereren Flugstil im Grenzbereich und kann im Härtefall Modelleben retten.

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2 Die Festigkeit

Die fliegerischen Grenzen des Modells werden nicht selten durch die Belastungsfähigkeit der Zelle bestimmt. In der Luft bekommt man fast jedes grössere Modell kaputt (man muss nur wissen wie ;-)) von dem her müssen hier Limiten gesetzt werden.

Geschwindigkeit im Vorwärtsflug
Die Geschwindigkeit, die (meiner Meinung nach) jedes kunstflugtaugliche Modell aushalten muss ist die Geschwindigkeit, die sich im stationären senkrechten Sturzflug mit maximal bremsenden Propeller (kurz: Sturzfluggeschwindigkeit) einstellt. Und diese Geschwindigkeit sollte das Modell auch auf der Horizontalen und im senkrechten Steigflug aushalten.

G-Belastung entlang der Hochachse
Mit 1.5-facher Minimalgeschwindigkeit muss jedes Modellkunstflugzeug seinen minimalen Kreisradius fliegen können.
Ideal wäre dagegen, wenn das Modell den minimalen Kreisradius mit Sturzfluggeschwindigkeit fliegen kann, ohne das die Tragflächen oder das HLW abreissen und ohne das sich die QR-/HR-Servos verabschieden. Eine weitere Steigerung ist die Figur "The Wall" (abruptes senkrechtes Hochreissen am HR). Modelle die diese Figur mit Sturzfluggeschwindigkeit schaffen sind auch sonst praktisch nicht mehr kaputt zu bekommen, mit 1.5-facher Minimalgeschwindigkeit sollte sie jedes Modellkunstflugzeug schaffen.

G-Belastung entlang der Querachse
Also z.B. beim Messerlfuglooping. Den sollte das Modell in Sturzfluggeschwindigkeit absolvieren können, speziell das Seitenruder ist hier gefragt.

G-Belastung entlang der Längsachse
Ok, über die Belastungen beim Einschlag reden wir hier nicht ;-), eine Beschleunigung mit Vollgas von 0 bis Sturzfluggeschwindigkeit senkrecht nach oben sollte das Modell (speziell die Motorhalterung) aber aushalten. Tut es das nicht, macht der eingebaute Antrieb keinen Sinn.

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3 Die Fluglagen

Grenzbereiche in den Fluglagen gibt es viele, Wege dorthin auch. Ich versuche im Folgenden mal einige aufzulisten.

Bauchflug/Rückenflug
[-] Fliegen sie in Sicherheitshöhe mit 1.5-Facher Minimalgeschwindigkeit (bei höherer Geschwindigkeit platzen die ersten Modelle) und ziehen-drücken-ziehen-drücken sie periodisch am HR-Knüppel, ca. einmal Ziehen-Drücken pro Sekunde. Fangen sie mit kleinen Ausschlägen an und steigern sie diese dann solange, bis ihnen die Maschine abreisst.
[-] Machen sie das Spielchen erneut, versuchen sie jetzt aber ganz knapp nicht abzureissen und die HR-Ausschläge trotzdem so gross wie möglich zu halten.
[-] Fliegen sie die grössten Ausschläge, mit denen sie das Modell noch in der Luft halten können.
[-] Wiederholen sie das gleiche Spielchen fürs Seitenruder und halten sie die Fläche dabei mit dem Querruder horizontal. Falls sie auch bei Vollausschlag nicht abreissen reduzieren sie die Fluggeschwindigkeit solange bis sie abreissen.
[-] Fliegen sie die engstmögliche Kurve mit 1.5-facher Minimalgeschwindigkeit.


Messerflug
[-] Fliegen sie auch hier periodische Ausschläge um alle Achsen, beim Seitenruderausschlag müssen sie diesen so begrenzen dass sie die Flughöhe halten können.
[-] Fliegen sie die engstmögliche Kurve 1.5-Facher Minimalgeschwindigkeit.


Flächenharrier
[-] Fliegen sie in Sicherheitshöhe im Harrier mit 45 Grad Anstellwinkel und pendeln sie mit dem Querruder um die Querachse zwischen 45 Grad links und 45 Grad rechts hin und her. Schrauben sie jetzt die Querruderausschläge und damit die Pendelfrequenz langsam so weit wie möglich hoch.
[-] Fliegen sie jetzt periodische Ausschläge am Seitenruder, versuchen sie mit dem Querruder das Modell horizontal und mit dem HR den Anstellwinkel konstant zu halten.
[-] Erhöhen sie den Anstellwinkel auf 60 und dann auf 80 Grad und machen sie das Spielchen erneut.
[-] Schlagen sie das Höhenruder periodisch aus und pendeln sie zwischen 30 und 80 Grad Anstellwinkel. Arbeiten sie sich dann im unteren Anstellwinkelbereich immer weiter in Richtung 10 Grad Anstellwinkel vor, so dass sich die Strömung dabei gerade noch nicht anlegt.
[-] Erhöhen sie die Ausschläge am HR bis sie mit der maximal möglichen Geschwindigkeit pendeln.
[-] Fliegen sie mit dem Seitenruder eine Kurve, halten sie das Modell dabei mit dem QR Horizontal und mit dem HR den Anstellwinkel konstant. Erhöhen sie kontinuierlich den Seitenruderausschlag und versuchen sie das Modell am Himmel zu behalten.


Hovern
[-] Lassen sie das Modell um die Querachse 20, dann 30 und schliesslich 45 Grad aus der Senkrechten kippen und befördern sie es dann so schnell wie möglich mit dem HR wieder in die Senkrechte zurück.
[-] Lassen sie das Modell um die Hochachse 20, dann 30 und schliesslich 45 Grad aus der Senkrechten kippen und befördern sie es dann so schnell wie möglich mit dem SR wieder in die Senkrechte zurück.

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4 Tiefflug

Beim Tiefflug sind zwei Fähigkeiten gefragt:
[-] Präzision: Im Tiefflug müssen sie die Flughöhe im Extremfall im Dezimeterbereich halten können. Auf der Geraden ist das, sofern man das Aufschwingen mal im Griff hat, noch relativ einfach, in den Kurven, gerade wenn sie eng sind, wird es brutal schwer.
[-] Nerven: Eigentlich fliegt ihr Modell (Abgesehen vom Bodeneffekt) im Tiefflug nicht anders als in 100m Höhe. Trotzdem werden sie anders steuern und anfangs Panik bekommen. Die Nerven sind dabei reine Trainingssache, je mehr Flugstunden sie im Tiefflug verbracht haben desdo ruhiger fliegen sie.

In jeder Fluglage haben sie, abhängig von Tagesform, Windverhältnissen und Flugbahn einen "Abweichungsbereich" von ihrer gedachten Flughöhe, 95 Prozent ihrer Höhenschwankungen bleiben dabei innerhalb dieses Bereiches. Wenn ihre Höhe über Boden jetzt mindestens die vierfache Abweichung nach unten aus diesem Abweichungsbereich beträgt dann ist die Einschlagswahrscheinlichkeit so klein dass sie sie gleich vergessen können. Die Dreifache Abweichung nach unten ist schon was für Mutige, unterhalb der zweifachen Abweichung beginnt der Kamikaze-Bereich.
[-] Diese Ganze Abweichungsbereichsgeschichte (was für ein Wort :-)) funktioniert nur, wenn sie alle Steuerschemen der entsprechenden Fluglage im Schlaf beherrschen und nicht mehr an irgendeiner Ruderfunktion herumüberlegen müssen. Tiefflug mit nicht gefestigten Fluglagen ist in jedem Fall russisches Roulette.
[-] Falls sie im Tiefflug mit vierfacher Abweichungshöhe einmal unter die zweifache Abweichungshöhe runtertauchen sollten (sowas kommt anfangs gelegentlich vor), dann steigen sie auf Sicherheitshöhe, erholen sie sich von dem Schreck und machen dann weiter.

Trainieren sie jetzt den Tiefflug für alle Fluglagen (Flächenflug, Messerflug, Flächenharrier, Messerharrier, Flächenslip und Messerslip) sowie für den Rollenflug. Das Tiefflugtraining ist dabei nicht eine Übungsserie die man irgendwann abhanken kann, er ist vielmehr eine Lebensaufgabe.

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[Copyright] Fabian Günther
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