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Überlegungen zum Programmflug

Version 2, 27.01.2008



Inhalt

1. Frei Schnauze
2 Zweidimensionale Flugprogramme
3 Dreidimensionale Flugprogramme



1 Frei Schnauze

Mit den Grundlagen haben sie das Laufen gelernt und brennen jetzt darauf, ihr erstes Flugprogramm auf die Beine stellen und in der Luft mal richtig auf die Kacke zu hauen :D. Am besten gleich ein Freestyleprogramm vom Allerfeinsten, um ihrem Umfeld mal zu demonstrieren für was sie die letzten Monate/Jahre Grundlagen gebüffelt haben. Also, Musik rein, Gasknüppel auf den Tisch und locker drauf los improvisiert ...

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Nun ja, sofern ihr Modell nach dieser Aktion noch ganz ist werden sie nach der Landung wahrscheinlich etwas irritiert aus der Wäsche schauen und sich fragen ob dieses unkoordinierte und ganz und gar nicht spektakuläre Geschwanke vorher nun der Lohn für das harte Grundlagentraining ist ???.

Das was sie gerade gemacht haben entspricht einem 20-Jährigen, der seit der Schule keinen Sport mehr getrieben hat, sich nie wirklich mit einer Bewegungssportart befasst hat, jetzt im Fernsehen eine Breakdance-Einlage sieht und anschliessend wild entschlossen drauf los imporvisiert. Die Resultate solcher Aktionen kann man sich dann zu Hunderten auf Youtube ansehen :-)).

Zurück zum Modellflug. Die Gründe für ihr Scheitern sind vom System her die gleichen wie bei unserem "Tänzer":
[-]   Sie beherrschen keinen Übergang.
[-] Sie haben noch keine wirklich anspruchsvolle Figur geflogen.
[-] Sie haben noch nie ein Flugprogramm aus der Nähe gesehen.
[-] Sie haben keine Sammlung von Figuren, Fluglagen, Übergängen und Figurenfolgen, auf die sie beim Improvisieren zurückgreifen können.
[-] Sie haben keinerlei Übung im Improvisieren.
[-] Und sie haben sich mit dem Improvisieren zu Musik eine der anspruchsvollsten Kunsflugdisziplinen überhaupt ausgesucht.

Wenn man das so sieht ists eigentlich klar das das schief gehen musste ;-).

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2 Zweidimensionale Flugprogramme

Das Ziel der Übung
Bei den zweidimensionalen Flugprogrammen geht es darum, in einem geschützen Umfeld all die Sachen zu erlernen, die beim späteren Freestyletraining wesentlich sind: Trainingsmethoden für Figuren und Flugprogramme, Konzentration, Umgang mit Nervosität, das geometrisch saubere Bewegen des Modells, das Gefühl für das Modell und den Luftraum, das Gefühl für Schwierigkeitsgrad und Wirkung der einzelnen Figuren, der Umgang mit Rückschlägen, das Auswendiglernen von Flugprogrammen. Kurz, das Handwerk für alle späteren Flugprogramme, garniert mit den ersten Figuren für ihr Figurenrepertoire.

Das "geschützte Umfeld" stellen hier die Zweidimensionalen Flugprogramme dar, ungefähr so wie sie auch auf Wettbewerben geflogen werden. Der Flugraum ist hier eine klar festgelegte Ebene vor dem Piloten, die Figurenfolge wird durch die Aresti-Schreibweise eindeutig festgelegt. In diesem Umfeld fallen eine ganze Menge (Fehler)Möglichkeiten weg, der Pilot ist nicht gnadenlos überfordert und kann sich in Ruhe ans Training machen.

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Durchfliegen vs. Elementtraining
Beim Training fliegen sie einerseits die Figurenfolge ganz durch, andererseits trainieren sie einzelne Elemente isoliert. Die Gewichtung von Durchfliegen und Elementtraining hängt dabei von ihren persönlichen Vorlieben und ihrem gewählten Lernschema ab. Ich selber lerne einen Grossteil des Programms im Elementtrainig, indem ich Programmteile, Figuren, Figurenteile oder Fluglagen isoliert trainiere und dann wieder zu grösseren Elementen zusammensetze. Das vollständige Durchfliegen des Programs ist eine (unverzichtbare!) Quailtätskontrolle ob alles passt, mehr aber nicht. Andauerndes vollständiges Durchfliegen bringt mir für die einzelnen Figuren nicht sonderlich viel, im Gegenteil, die Unterschiede zwischen beherrschten und noch nicht beherrschten Elementen werden dadurch eher noch zementiert.

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Rollrichtungen
Ich weiss auch nicht wieso, aber die meisten Menschen können sich Translationen (Flugbahn) irgendwie leichter merken als Rotationen (Rollrichtung). Auch ich hatte anfangs massiv an der Rollrichtung zu beissen. Wenn die Flugbahn schon längstens intus war, wusste ich bei den Rollrichtungen immer noch gelegentlich nicht wierum. Mit zunehmender Übung ging das aber immer besser, und mittlerweile habe ichs ganz gut im Griff.


Auswendiglernen vs. Ansager
Im Prinzip ist es nicht nötig, dass sie die Figurenfolge auswendig beherrschen, es ist vielmehr üblich, dass man beim Wettbewerb und im Training einen Ansager im Nacken hat, der einem die Figuren ansagt....
Ja, soweit so gut. Ich bin kein Freund dieser Ansagerei. Gerade wenn sie später Freestyle fliegen wollen tun sie gut daran, ihren Kopf mittels Auswendiglernen der Programme schon jetzt etwas zu trainieren. Für das spätere Improvisieren ist ein Figurenrepertoire unerlässlich, und das haben sie auch nur wenn sie die Sache auswendig können.

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Der Lernfortschritt
Beim Grobtraining sich bei jedem Durchlauf die Frage, wann sie mit der Ausführung einer Figur zufrieden sein sollen und zur Nächsten weiter gehen sollen. Ich trainiere eine Figur hier jeweils solange, bis der Lernfortschritt merklich abflacht, dann gehe ich zur Nächsten weiter. Wenn ich die Figur dann nach einigen Tagen/Wochen wieder hervorhole, dann bin ich einerseits besser als dann als ich aufgehört habe und andererseits kann ich dann die Präzision wieder weiter steigern. Irgendwann kommt dan wieder das Abflachen, Abbruch, einige Stunden/Tage/Wochen warten, wieder hervorholen und weiter gehts.
Wieso das so gut geht weiss ich auch nicht, aber es geht. Was dagegen gar nicht klappt, ist wenn ich ums Verrecken bis zu einer gewissen Genauigkeit trainieren will. Wenn die "Fortschrittskurve" vorher abflacht habe ich keine Chanche mein Ziel zu erreichen, egal wie ich mich anstrenge. Ausser dem Frust wird da dann gar nichts mehr gesteigert. Erst nach einigen Tagen/Wochen Pause kann ich wieder Fortschritte erzielen.

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Die Problemebene
[-] Innerhalb von Flugprogrammen lassen sich keine Figuren, Übergänge oder Fluglagen trainieren
[-] Innerhalb von Figuren lassen sich keine Übergänge trainieren
[-] Innerhalb von Übergängen lassen sich keine Fluglagen trainieren
[-] Figuren, Übergänge und Fluglagen lassen sich nur in einer separaten, auf die entsprechende Übungsform abgestimmten Umgebung trainieren, und für das Training von Flugprogrammen, Figuren oder Übergängen muss die nächstuntere Stufe bereits Funktionieren.

Wenn man bedenkt dass Flugprogramme aus Figuren, Figuren aus Übergängen und Übergänge aus Fluglagen aufgebaut sind dann sind diese Überlegungen eigentlich einleuchtend. Das sichere Beherrschen ALLER in der Figurenfolge vorkommenden Fluglagen ist daher die Grundvoraussetzung für das Gelingen der Fluglage. Wenn es noch bei einer Fluglage hängt ist vernünftiges Training der Figurenfolge nicht mehr möglich.
Während dem Fliegen von Flugprogrammen sollten sie ihre volle Aufmerksamkeit dem geometrisch exakten Fliegen und dem Ausgleichen von Störungen (Wind) widmen können. Für Herumüberlegen an der Figurenfolge oder für aktives Zusammensetzen von Fluglagen haben sie da schlicht keine Kapazität mehr. Wenn innerhalb des Flugprogramms ein Übergang oder eine Figur schlingert dann ist das ein sicheres Zeichen dafür, dass die Figur/der Übergang nicht so intus ist wie er sollte.

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Die Anfangshürde
In der Musik kann man ein Schwieriges Stück im prinzip beliebig langsam spielen und das Tempo mit dem Persönlichen Lernfortschritt steigern. Dadurch kann man recht grosse sprünge machen und schon früh die songs spielen, die man schon immer spielen wollte.
Im Modellkunstflug ist das anders, hier gibt es, ähnlich wie beim Jonglieren, eine Minimalgeschwindigkeit. Genau so wie der jongleur seine Keulen nicht beliebig langsam werfen kann kann auch der Modellpilot wegen der Minimalgeschwindigkeit des Modells seine Figuren nicht beliebig langsam fliegen. Die Fähigkeiten, um ein programm mit minimalgeschwindigkeit fliegen zu können muss man sich daher mit anderen übungen erwerben, ab der Minimalgeschwindigkeit kann man dann analog zur musik Tempo und Präzision kontinuierlich steigern.

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3 Dreidimensionale Flugprogramme

Allgemeines

Das system ist das Gleiche wie bei den zweidimensionalen Flugprogrammen, hier ist der Flugraum jedoch eine Box und keine Ebene mehr, und die 3D-Fluglagen kommen neu dazu. Mit diesen neuen Freiheitsgraden kann der Pilot u.A. sein Raumgefühl weiter trainieren.

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Schwierigkeitsgrad
Speziell gewisse Vertreter der dynamisch kunstfliegenden Zunft (F3A, etc.) verteilen gerne und regelmässig Seitenhiebe in Richtung der 3D-Piloten, so im Stil von: "Das ist doch nur Rumgehampel was ihr da macht.", "Knüppel ins Eck hauen kann ja jeder.", "Flieg mal ein dynamisches Programm, dann weisst du was Anspruch bedeutet." etc. etc.

Ich stelle da jetzt mal ganz frech zwei Thesen auf:
[-] 1. Modellpiloten, die so reden, sind noch nie wirklich 3D-Geflogen.
[-] 2. Sauberer 3D-Flug (fixes Programm, exakt vorgegebene Manöver, exakt vorgegebene Flugbahn) ist vom Schwierigkeitsgrad her ähnlich wie sauberer dynamischer Kunstflug, wenn nicht sogar schwieriger.

Wiesooooo ???
[-] Dynamisch fliegende Modelle (anliegende Strömung) fliegen indifferent, Modelle im 3D-Flug fliegen instabil. Und mit einem instabilen Gerät einer konkreten Flugbahn zu folgen ist MASSIV schwieriger als mit einem Indifferenten. Als (zugegebenermassen recht heftiger) Vergleich kann ein Besenstiel herhalten: Wenn man den in seinem Zentrum festhält ist es gut machbar, den Schwerpunkt auch bei hohen Geschwindigkeiten entlang einer Bahn zu bewegen. Wenn men den Besen dagegen auf der Fingerspitze balancieren muss ist das bewegen des Schwerpunktes entlang einer bestimmten Flugbahn selbst bei geringer Geschwindigkeit schon happig, bei hoher Geschwindigkeit ist es für einen Menschen schlichtweg unmöglich.
[-] Je schneller ein Modell relativ zur "Figurengrösse" fliegt, desto anspruchsvoller wird das korrekte aussteuern der Figur. Im 3D-Flug sind Modelle meist sehr langsam unterwegs, selbst für kleine Figuren hat man hier verhältnismässig viel Zeit. Die dynamischen Kollegen donnern dagegen mit ordentlicher Geschwindigkeit durch ihre Figuren, ein mal husten und man hat schon mehrere Meter Abweichung von der eigentlichen Flugbahn.
Diese beiden Effekte, die Instabilität und die Geschwindigkeit, arbeiten gegeneinander, so dass man nicht direkt sagen kann, ob jetzt der 3D-Kunstflug oder der Dynamische Kunstflug anspruchsvoller ist.

Aber wie oben schon gesagt, ich selbst empfinde momentan den 3D-Flug als leicht anspruchsvoller.

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[Copyright] Fabian Günther
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