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Grundlagen vs. Flugprogramme

Version 2, 29.06.2009

Die Standardsituation: Sie klicken sich durch Youtube, sehen eine Kunstflugvorführung und denken sich: "Wow, genau das will ich auch fliegen :D". Also schnell das Video gespeichert und ab gehts zum Training. Hier stellt sich die Frage, wie sie das Programm innert nützlicher Frist auf die Reihe bekommen, ohne sich hoffnungslos zu verzetteln.


Grundsätlziches

Die Frage nach dem WAS haben sie oben eindeutig geklärt, jetzt kommt das WIE. Zum Erlernen eines Programmes haben sie mehrere Möglichkeiten:

Variante 1: Sie fangen gaaanz langsam an und üben das Programm durch ständiges Wiederholen so lange, bis sie es beherrschen.
Das Funktioniert, allerdings nur theoretisch. Eine Fluglage (oder noch schlimmer eine Fluglagenfolge) durch Wiederholen von ein und demselben Programm zu erlernen ist extrem anstrengend, zeitraubend und ineffektiv. Und die Wahrscheinlichkeit, dass sie dabei nach einigen Wochen frustriert aufgeben, liegt nahe bei 100%. Selbst wenn sie es irgendwie schaffen: Die Sache hätten sie einfacher haben können.

Variante 2: Sie üben alle im Modellkunstflug vorhandenen Grundlagen, und zwar so lange, bis sie alle perfekt beherrschen. Danach ist das Programm (so wie auch jedes andere) ein Kinderspiel.
Das funktiniert leider nicht mal in der Theorie. Grundlagen beherrscht man nie perfekt (man kann sich zwar beliebig nahe dranarbeiten, aber perfekt ists aus Prinzip nie, da man immer noch was verbessern kann), und selbst wenn man alles nur "sehr gut" beherrschen will reicht ein Menschenleben dafür bei weitem nicht aus, da es einfach zu viel Zeugs gibt. Diese Methode ist also auch nicht geeignet.
Gut, zugegeben, sie klingt verlockend, ich hab immerhin 2 jahre gebraucht bis ich mir eingestanden habe dass sie nicht funktioniert :D.

Der Schweizer Kompromiss: Sie schauen, welche Grundlagen für dieses Programm benötigt werden, üben diese und fliegen nebenbei immer wieder das Programm um zu kontrollieren, wo es bei den Grundlagen noch hakt und welche Sachen sie bereits soweit können dass das Programm ihren eigenen Ansprüchen genügt.
Diese Methode halte ich für ideal. Einerseits hat man ein festes Ziel vor Augen (Das Programm), man hat Spass bei der Sache (Programmflug ist was wunderbares :)), man merkt zuverlässig wo es noch hängt (Programme sind da gnadenlos ), man kann die eigenen Lernfortschritte gut beobachten (das Programm bleibt ja das Gleiche) und man kann die ganzen Grundlagen in enspannter und optimal aufs Lernen ausgerichteter Umgebung (nähmlich im Rahmen der Grundlagen-Übungen) erlernen. Gerade am Anfang kann ich jedem wärmstens empfehlen, sich so durch einige bekannte Programme durchzuarbeiten um Erfahrungen zu sammeln. Die eigenen Ideen kommen dann mit der Zeit ganz von selber.

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Tipps

Der Schwierigkeitsgrad
Dass ausgewählte Programm sollte innerhalb eines überblickbaren Zeitraumes (je nach Veranlagung des Piloten 1 Monat bis max. 2 Jahre) realisierbar sein. Wenn man ein zu einfaches Programm erwischt hat ist das nicht weiter problematisch, da hat man dann bereits nach wenigen Wochen wieder Zeit für Neues . Heikler sind zu anspruchsvolle Programme. Wenn man im Verlauf des Trainings merkt, dass man das Programm im überblickbaren Zeitraum nie und nimmer hinbekommt dann sollte man den Mut aufbringen es zurückzustellen und sich vorübergehend Einfacherem zu widmen. So erspart man sich ne menge Frust und kann in einigen Monaten/Jahren, wenn man fliegerisch so weit ist, das zurückgestellte Programm wieder angehen.

Innere Stimme Vol. 1
Die innere Stimme, die einem ständig zuflüstert man solle doch die Grundlagen noch etwas genauer anschauen und mit dem Programm noch etwas warten, ist eine unheilige Allianz aus Faulheit und der Angst vor Handfestem. Wenn sie also wissen das sie das Programm schaffen können, dann sperren sie diese Stimme am besten ganz tief weg, die bremst sie sonst brutal aus .

Innere Stimme Vol. 2
Die andere Stimme ist die, die die gesamten Grundlagen für überflüssig erklärt und dafür das andauernde Wiederholen der schwierigen Passagen propagiert. Diese Stimme ist eine ungute Mischung aus Ungeduld und falschem "Lebe den Moment"-Verständnis. Die sollten sie ebenfalls wegsperren, den Aufenthaltsort des Schlüssels sollten sie sich allerdings merken, in ganz wenigen Ausnahmesituationen müssen sie nämlich wirklich mit dem Kopf durch die Wand, und dann hilft diese Stimme ungemein .

Der Videobeweis
In den eigenen Augen sieht das Programm schnell mal ganz toll aus, das hat aber speziell bei Einsteigern mehr mit Selbstbetrug als mit unerwartetem Talent zu tun (war bei mir nicht anders ). Die Ernüchterung kommt sobald man sich das eigene Gefliegsel auf Video aufnimmt und anschaut. Ich kann daher wärmstens empfehlen, die eingenen Flüge regelmässig aufzunehmen und zu analysieren. Wenn man ein Programm beim ersten Take mit Video und Publikum zur Zufriedenheit hinbekommt, dann beherrscht man es, vorher nicht...

Die Geschwindigkeit/Die Boxgrösse
Der Grossteil der Flugfiguren ist bei leicht reduzierter Geschwindigkeit und einer grösseren Box (=Flugraum) erheblich einfacher. Am Anfang können sie sich durch eine etwas grössere Box das Leben daher deutlich verienfachen. Je besser sie die Figuren beherrschen, desto weiter können sie die Geschwindigkeit aufdrehen und desto kleiner kann die Box werden. Wenn sie die Figuren schneller und enger als im Original fliegen können, dann sollte es in Originalgeschwindigkeit/-grösse erst recht hinhauen.
Beim Rest der Flugfiguren ist es genau umgekehrt, die funktionieren in einer kleinen Box ganz wunderbar, in der grossen Box wirds haarig (Rollenloopings bei böigem Wind sind so ein Fall..). Hier läuft das Training genau umgekehrt, anfangs Boxengrösse runter, später immer weiter hoch.

Aufbauend Trainieren
Ich empfehle ihnen wärmstens, bei den Fluglagen mit den Einfachsten anzufangen und sich dann langsam zu immer schwierigereren Brocken hochzuarbeiten. Je kleiner die Schritte zwischen den einzelnen Fluglagen/Flugprogrammen sind, desto besser, entspannter und schneller lernen sie.
Wenn sie z.B. direkt nach dem Bauchflug mit dem Torquen beginnen dann schaffen sie das zwar irgendwann (unser Gehirn bekommt auch grösste Lernbrocken irgendwann klein), aber erstens dauert das ewig, zweitens ist die Lernphase ziemlich frustrierend und drittens laufen sie Gefahr, sich zu verkrampfen und sich falsche Bewegungsmuster anzugewöhnen. Schalten sie daher zwischen den Bauchflug und das Torquen noch den Harrier, das dauert nicht wesentlich länger (ich würde behaupten es geht sogar schneller...), sie haben nebenbei noch eine weitere Fluglage gelernt und dabei und einige Liter Baldrian eingespart :D.

Starten-Fliegen-Landen
Bevor sie mit irgendwie gearteten Kunstflugübungen anfangen können müssen den Start, den Rundflug auf Sicherheitshöhe sowie die Landung sicher beherrschen. Und zwar immer. Bei jedem Wetter. Zu jeder Tageszeit. Und erst recht bei ekligem Querwind . Zusammen mit einem zuverlässig funktionierenden Modell können sie so die Absurzwahrscheinlichkeit sehr weit drücken, und eine geringe Absturzwahrscheinlichkeit ist unabdingbare Voraussetzung für ein entspanntes und effizientes Training.

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