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Überlegungen zum Einstieg

Version 1, 03.02.2008

Inhalt

1 Das Problem
2 Verschiedene Bewegungslernprozesse
3 Das Bewegungsmuster beim Steuern eines Modellflugzeuges
4 Das Einsteigermodell
5 Die fixe Flugroute
6 Wie lerne ich fliegen?
7 Blut, Schweiss und Tränen?




1 Das Problem

Viele Einsteiger (ich damals auch :D) leiden unter der "Selber gross"-Krankheit. Sie wollen ums Verrecken mit einem selbst entworfenen und selbst gebauten vorbildgetreuen 2m-Modell anfangen und das ohne fremde Hilfe und schon gar nicht in einem Verein.

Diese Einstellung hat mehrere Haken:

  • Um ein Modell zu steuern muss man einen bestimmten Bewegungsablauf durchführen. Dieser ist nicht angebohren, sondern muss erlernt werden. Dierse Bewegungsablauf ist derart anspruchsvoll, dass ihn 95 Prozent der Einsteiger (das Modell kann dabie noch so "einsteigerfreundlich" sein) beim ersten Flug ohne vorheriges Flugtraining nicht hinbekommen. Die Folge ist ein Absturz.
  • Die Chanche, dass sie zu den 95 Prozent gehören, beträgt 100% (Murphy...).
  • Leute, die in irgendeinem Forum behaupten, sie hätten ne 2m-Extra auf Anhieb fliegen... ignorieren sie die einfach. Es gibt zwar ganz wenige Hochbegabte, die das Tatsächlich geschafft haben. Alle Anderen sind einfach nur Schwätzer.
  • Um ein Modellflugzeug flugfähig aufzubauen braucht es viel Wissen und je nach Komplexität des Modells viel Erfahrung und Übung.

Im Folgenden möchte ich die Gründe für diese Aussagen etwas beleuchten.

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2 Verschiedene Bewegungslernprozesse

Das Modellfliegen zu erlernen bedeutet, eine grundlegend neue Bewegungsform zu erlernen. Diese Situation hatten sie schon ein paar Mal, z.B. als sie Laufen, Schwimmen oder Fahrradfahren gelernt haben. Und sie wissen ja selber dass jedes Kind, welches das Laufen lernt, anfangs andauernd hinfällt. Und ihre ersten Schwimmversuche konnte man mit viel Optimismus als "nicht untergehen", aber sicher nicht als "schwimmen" bezeichnen. Und beim Fahrradfahren wären sie ohne die Stützräder wohl noch viel ofter auf der Nase gelegen. All diese Bewegungsmuster haben sie dadurch gelernt dass sie Bewegungen ausprobiert haben, dabei Fehler gemacht und aus diesen gelernt haben. Und beim Fliegenlernen wird ihnen das nicht anders gehen.

Die oben aufgezählten Beispiele unterscheiden sich in einem Punkt ganz wesentlich: Beim Laufen und Fahrradfahren kann man Hinfallen. Dabei genügt es, wenn die Koordination schon für einige Zehntelssekunden versagt, ein paar Zehntelssekunden später liegt man auf der Nase. Das Hinfallen lässt sich meistens einem einzigen Bewegungsfehler zuordnen. Wenn man hingegen beim Schwimmen mal den Kopf unter Wasser hat stört das nicht, wenn man aber länger unter Wasser ist besteht die Gefahr des Ertrinkens. Um den Kopf aber länger unter Wasser zu haben muss die Koordination schon für eine recht lange Zeit versagen, das Unterwasserbleiben ist dann auf eine grosse Summe von Bewegungsfehlern zurückzuführen.


Um den Schaden beim Erlernen von Laufen, Fahrradfahren und Schwimmen möglichst gering zu halten hat der Mensch eine ganze Reihe Schutzmechanismen entwickelt:
  • Das Hinfallen beim Laufenlernen stört ein Kleinkind in den meisten Fällen nicht, sein Körper ist so gebaut dass er das ohne grosse Probleme (ab und zu mal ne Schürfung) aushält.
  • Beim Fahrradfahren wirds schon kritischer, da können Stürze schon ordentlich ins Auge gehen. Mittels Stützrädern, Fahrradhelm und ev. Knie- und Ellbogenschonern kann man aber auch hier die Sturzwahrscheinlichkeit deutlich senken bzw. die Folgen eines Sturzes deutlich abmildern.
  • Beim Schwimmen gibts Schwimmflügel und/oder einen Helfer, der nebenher schwimmt und das Kind bei drohendem Untergehen wieder aus dem Wasser fischt.

Modellflug bewegt sich irgendwo zwischen Schwimmen und Laufen/Fahrradfahren. Genügend Sicherheitshöhe und ein stabiles Modell vorausgesetzt, kann ein einzelner Steuerfehler nichts ausrichten, eine Aneinanderreihung von vielen Steuerfehlern führt dagegen zum Absturz. Die Modelle ertragen die Folgen eines Absturzes jedoch meist deutlich weniger gut als ein Kind die Folgen des Hinfallens. Hilfen wie z.B. Schwimmflügel oder Stützräder gibt es im Modellflug in Form von eigenstabilem Flugverhalten des Modells, aber diese Hilfe ist nie so effektiv wie z.B. die Schwimmflügel.
Dadurch, dass im Modellflug (genügend Sicherheitshöhe vorausgesetzt) immer eine Aneinanderreihung von Steuerfehlern für einen Absturz nötig ist, funktioniert aber das zweite Konzept vom Schwimmen hervorragend: Dem Helfer, der neben dem Kind herschwimmt und es bei Bedarf wieder an die Oberfläche zieht entspricht im Modellflug ein erfahrener Pilot, der via Lehrer-Schüler-Kabel im Zweifelsfall die Kontrolle über das Modell übernimmt. Die "Try-and-Error"-Methode im Modellflug kann man dagegen wohl am ehesten mit dem Laufenlernen auf einem Scherbenhaufen oder dem Fahrradfahren ohne Stützräder und Helm auf Asphalt vergleichen [irr].
Das Training am Simulator (ok, das Beispiel ist jetzt etwas konstruiert) sähe beim Schwimmen etwa so aus: Man verpasst dem Schwimmschüler ein Sauerstoffgerät sowie selbstaufblasende Schwimmflügel und schmeisst ihn ins Wasser. Sobald er länger als 30 Sek. unter Wasser ist (durch den Sauerstoff passiert ihm nichts) kommt eine Meldung "Sie sind soeben ertrunken..", die Schwimmflügel blasen sich auf und befördern den Schüler wieder an die Oberfläche. Dann entweicht die Luft aus den Schwimmflügeln und das Spielchen beginnt von neuem.
Das Hocharbeiten vom ersten Modell dass nur "voll rechts-Mitte-voll links" kennt bis zum ersten, vollständig steuerbaren Modell kann man schliesslich etwa mit dem Schwimmschüler vergleichen, der Stück für Stück immer weniger Luft in den Schwimflügeln hat, bis dann schliesslich gar keine Luft mehr in den Flügeln ist.

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3 Das Bewegungsmuster beim Steuern eines Modellflugzeuges

Die Steuerung eines Modellflugzeuges ist ein recht komplexes Bewegungsmuster:
  1. Sie müssen die Fluglage des Modells relativ zum Boden korrekt erkennen.
  2. Sie müssen die Lage des Modells im Raum (= der genaue Ort wo es sich gerade befindet) einschätzen können.
  3. Sie müssen das Modell um die Querachse mit dem Höhenruder und um die Längsachse mit dem Querruder ruhig halten und eventuelle Störungen der Flugbahn ausgleichen.
  4. Sie müssen die Tatsache, dass das Modell seine Lage zu ihnen ständig ändert und daher manchmal Ruderfunktionen vertauscht scheinen, kompensieren.
  5. Die Kurve ist ein recht komplexes Zusammenspiel aus Höhen- und Querruder, einfach mal Querruderknüppel ins Eck läuft hier nicht.
  6. Sie müssen das Das Geschwindigkeitsmanagement, vor allem das Einhalten der Mindestgeschwindigkeit, im Griff behalten.
  7. Sie müssen das Modell in ihrer Nähe halten, die Flughöhe halten und die Landebahn treffen.
  8. Sie müssen in etwa wissen wieviel Energie noch im Akku ist und wann sie landen müssen.

Erst wenn sie alle diese Punkte GLEICHZEITIG schaffen überstehen sie einen Flug bruchfrei. Das tönt jetzt nach verdammt viel, ist es auch:
  • Punkt 1: Anfangs geht das stur nach dem "What you see is what you get"-Prinzip, mit allen dazugehörigen Nachteilen, z.B. dem Kontrollverlust beim Fliegen gegen die Sonne. Mit zunehmender Übung bastelt sich ihr Kopf jedoch aus dem Wissen um die bisherige Flugbahn, der Analyse der Modellreaktionen auf die momentanen Ruderkommandos sowie den optischen Informationen die richtige Fluglage zusammen. Je konzentrierter sie fliegen und je besser sie die gerade geflogene Figur beherrschen desdo weniger optische Informationen benötigen sie, um die Fluglage richtig einschätzen zu können. Den Grossteil dieser Fähigkeit werden sie (wohl oder übel [grins]) in den Grundlagen erlernen, sie verfeinert sich aber auch später laufend weiter.
  • Punkt 2: Hier gibts nichts aktiv zu wollen, der kommt von ganz alleine. Diese Fähigkeit entwickelt sich langsam, klammheimlich und über Jahre hinweg.
  • Punkt 3: Im Bauch- und Rückenflug fliegt das Modell neutral bis eigenstabil, im Messerflug teilweise neutral und im Harrier und der Torque-Rolle kaum mehr. Bei allen Fluglagen müssen sie permanent mit allen Funktionen Ausgleichsbewegungen steuern, damit das Modell in der entsprechenden Fluglage bleibt. Diese Ausgleichsbewegungen fallen im Bauch- und Rückenflug noch relativ bescheiden aus und sind auch recht schnell erlernt, der Messerflug wird schon ekliger und im Harrier/Torque-Rolle werden sie einige Zeit trainieren bis das klappt. Dieses Stabilisierungsprogramm wird in ihrem Bewegungsgedächtniss abgelegt wird bei der entsprechenden Figur aufgerufen (bei schnellen Übergängen und nervösen Piloten sieht man diesen Stabilisierungsprogrammwechsel recht deutlich [haemmernd]. Das Stabilisierungsprogramm ist Voraussetzung für Punkt 8.
  • Punkt 4: Den sollten sie entweder am Simulator oder im Lehrer-Schüler-Modus vollständig abhaken. Die Anpassung dieser Fähigkeit auf die darauf folgenden Figuren ist dann kein unüberwindbares Hindernis mehr geschieht grösstenteils unbewusst. Das Verknüppeln beim "auf-sich-zufliegen" ist ein Klassiker, der führt anfangs zu heftigen Verknüpplern beim Querruder/Seitenruder. Die meisten Einsteiger sind hier die ersten paar Flugminuten lang chanchenlos.
  • Punkt 5: ist die schwierigere Variante des Flächenfluges. Ein Grossteil der Einsteiger hat anfangs Mühe, die Geschwindigkeit und die Schräglage in der Kurve zu halten. Meistens enden die ersten Kurven in einem Spiralsturz oder in einem Strömungsabriss.
  • Punkt 6: Bei Shockflyern kein Problem, da fliegt man eh meistens deutlich über der Mindestgeschwindigkeit und wenn man sie doch mal unterschreitet, folgt meist ein sehr dezentes Durchsacken. Grössere Modelle fallen beim Strömungsabriss dagegen regelrecht vom Himmel, hier braucht es viel Zeit bis man ein Gefühl für die Warnsignale vor dem Strömungsabriss ("Weichwerden" auf den Rudern) entwickelt hat und instinktiv richtig reagiert. Ein Weiteres Problem ist der unfreiwillige senkrechte Sturzflug, sobald der Einsteiger über sich drüber fliegt. Ich weiss auch nicht genau wo das herkommt, aber bisher haben das alle meine Einsteiger gemacht.
  • Punkt 7: stellt ihre Fähigkeiten von Punkt 3 auf eine harte Probe. Denn erst wenn sie am Stabilisieren der Fluglage nichts mehr herumüberlegen muss können sie ihr Modell wirklich auf gewollten Bahnen bewegen.
  • Punkt 8: Auch das ist eine Frage des Gefühls, je mehr Erfahrung man hat, desdo früher merkt man, wenn die Leistung kurz vor dem Leerwerden des Akkus nachlässt.

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4 Das Einsteigermodell

Hersteller werben oft mit dem Satz: "Wenn es schwierig wird einfach die Knüppel loslassen und das Modell stabilisiert sich wieder".
Es ist durchaus möglich, Modelle zu bauen, die sich aus jeder x-beliebigen Fluglage bei Loslassen der Knüppel wieder stabilisieren. Nur kann dieses Stabilisieren je nach Fluglage recht lange dauern. Und Einsteiger haben die dumme Angewohnheit, auch derartige Modelle in die abartigsten Fluglagen zu bringen:
  • Senkrechter Steigflug mit einem Segler: Na ja, wenn sie da die Knüppel loslassen dann pumpt das Modell erstmal ne halbe Ewigkeit. Und nach der Hälfte dieser Ewigkeit sollten der Einsteiger eigentlich schon abdrehen, um nicht zu weit von sich wegzufliegen...
  • Senkrechter Sturzflug: Dito, ein ewiges Gepumpe, 7m über dem Boden hat das Modell nicht mal mehr die Höhe für den ersten Abfangbogen, da knallts.
  • Kurve mit extremer Schräglage. Na ja, bis sich das Modell da wieder eingeschaukelt hat dauerts auch ne Weile.
Beim Loslassen der Knüppel in wirklich kniffligen Fluglagen benötigt auch ein ein eigenstabil fliegendes Modell viel zu lange, um sich wieder einzupendeln!

Einsteigermodelle können zwar nicht einem absoluten Neuling zu einem absturzfreien Erstflug ohne vorheriges Flugtraining verhelfen, sie können ihm das Leben jedoch deutlich erleichtern. Bezogen auf die Aufzählung des vorherigen Kapitels:
  • Punkt 1 und 2: Einsteigermodelle stabilisieren sich zwar nicht immer innert nützlicher Frist von selber, sie nehmen dem Einsteiger aber ne ganze Menge Arbeit ab da er nur noch bei grösseren Korrekturen eingreifen muss.
  • Punkt 3: Direkt hilft da auch ein Einsteigermodell nichts. Indirekt aber schon, da es einerseits langsamer fliegt (der Einsteiger hat mehr Zeit zum Überlegen), Steuerfehler grosszügiger verzeiht (es fällt nicht gleich vom Himmel wenn man sich mal versteuert) und man wegen der Unterstützung von 1 und 2 den Kopf etwas freier hat.
  • Punkt 4: Auch hier nimmt ihnen ein Einsteigermodell nicht die Arbeit ab, verzeiht ihnen aber etwas mehr Fehler, will heissen, es fliegt auch eine absolut Schiefe Kurve recht zuverlässig.
  • Punkt 5: Das Problem bleibt, da kann kein Modell was dran ändern.
  • Punkte 6-9: Auch diese Probleme bleiben. Allerdings bekommt der Einsteiger auch das etwas schneller in den Griff, da er den Kopf etwas freier hat.

Einsteigermodelle kann man nach deutlich geringerer Flugzeit beherrschen als Modelle für Fortgeschrittene. Einfach so auf Anhieb wird der Einsteiger aber auch ein Einsteigermodell nicht obenhalten können.

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5 Die fixe Flugroute

Einsteiger gehen sehr häufig mit folgender Motivation an den Erstflug: "Also: Ich hab mir das schön zurecht gelegt. Ich starte, fliege eine Linkskurve (Seitenruder links, leicht ziehen, Seitenruder etwas zurück, zum Ausleiten mit dem Seitenruder gegensteuern) und lande gleich wieder. Was soll da schon passieren."
Na ja, spätestens 5 Sekunden nach dem Start ist das Modell in einer vom Einsteiger nicht geplanten Situation (Windböe, kleine Steuerungenauigkeiten etc.) und dann muss er trotzdem alle vorher erwähnten Punkte beherrschen, um das Modell da wieder raus zu holen. Der Trick mit der fixen Flugroute funktioniert daher nicht.

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6 Wie lerne ich fliegen?

Hier habe ich die verschiedenen Möglichkeiten schon mal kurz angesprochen. Es sind dies:
  • Try and Error
  • Hocharbeiten
  • Lehrer-Schüler
  • Simulator

Try-And-Error
Ok, da tun sie sich wirklich was an. Und wenn sie nicht gerade ein schier unzerstörbares EPP-Modell haben werden sie bei dieser Methode massiv mehr bauen als fliegen, der Einstieg zieht sich dadurch schier endlos in die Länge. Ganz abgesehen davon, dass dabei auch der motivierteste Einsteiger auf halber Strecke frustriert aufgibt.
Falls sie jetzt sowas wie "Aber ich bin so motiviert, ich bin stark, ich schaff das auch so, aus Fehlern lernt man schliesslich, scheitern macht stark!" denken: Das Argument, die ständigen Abstürze am Anfang hätten für später einen positiven Effekt und man müsse das als "richtiger" Modellbauer mal erlebt haben, und überhaupt, alle die das nicht erlebt haben haben was verpasst, hört man recht häufig. Meine ganz persönliche Meinung dazu: Nein, das muss man nicht erlebt haben, der Lerneffekt ist ein Gerücht, der Ego-Effekt ("Ich habe mir meinen Erfolg hart erarbeiten müssen") ist zwar da, aber hey, den Effekt gibts auch beim regelmässigen Kunstflugtraining, und das ohne Abstürze. Das Einzige was man bei der Try-and-error-Methode zusätzlich lernt ist reparieren, aber diese Fähigkeit erwirbt man sich auch in einer Modellflugkarriere mit bruchfreiem Einstieg. Einfach über einen wesentlich längeren Zeitraum verteilt [grins].

Hocharbeiten mit Dummys
Ich muss ehrlich sagen, ich habe derartige "narrensichere" Modelle bisher noch nicht fliegen sehen. Ich kann mir aber durchaus vorstellen das man sowas bauen kann. Das sähe dann nicht zwingend aus wie ein Flugzeug, auch elektronische Stabilisierungen (vor allem um die Querachse) wären eine Option. Die Modellreihenfolge könnte etwa so verlaufen:
  • Das erste Modell kennt beim Motor nur ein (= hoch) und aus(= runter). Die Übergänge sind (wie auch immer) so gestaltet, dass kein Pumpen auftritt. Der Einsteiger steuert proportional links-rechts, das Höhenruder passt sich automatisch an. Wenn er alle Knüppel loslässt gleitet das Modell gerade (oder in einer leichten Kurve) zu Boden. Dieses Modell dient zum Erlernen der links-rechts-Koordination.
  • Das zweite Modell hat zusätzlich eine eingeschränkte Höhenruderfunktion, so dass man zwar Steig- und Sinkwinkel variieren kann, diese aber begrenzt sind, so dass man damit trotzdem noch keinen Einschlag hinbekommen kann.
  • Der nächste Schritt wäre dann ein voll steuerbares Einsteigermodell.

Ein Produkt in diese Richtung des ersten Modells sind X-Twin und Konsorten [extern]. Diese basieren auf relativ narrensicherem Flugverhalten und vor allem auf einer crashresistenten (da kleinen und leichten) Zelle.

Vor der Zeit der Modellflugsimulatoren hatte der Weg des Hocharbeitens noch eine gewisse Berechtigung, denn ein Fluglehrer ist gerade für den Einsteiger ohne jegliche Kontakte schwer zu finden. Heutzutage gibts die für die, die ohne fremde Hilfe einsteigen wollen die fürs Flugtraining ausreichenden Flugsimulatoren gratis (z.B. den FMS [extern]), zur Steuerung reicht ein simpler Zweiachs-Joystick.
Sowohl vom Finanziellen wie auch vom Zeitaufwand her ist das Simulatorkonzept dem Hocharbeitenkonzept heute haushoch überlegen. Von dem her, wenn man alleine einsteigen will, dann ist der Simulator die bessere Lösung.

Lehrer-Schüler, Simulator
Ich neme diese beiden Methoden ganz bewusst zusammen, da sie sich z.T. doch sehr stark überschneiden. Bei beiden können sie mit einem bereits recht leistungsfähigen Modell einsteigen, welches genügend Potential hat, sie über Monate zu beschäftigen. Auch ersparen ihnen beide Varianten das Reparieren nach dem Abstürzen.
Unterschiede zwischen den zwei Methoden gibts im Wesentlichen zwei:
1. Bei der Lehrer-Schüler-Methode wird das reparieren dadurch verhindert, dass die Abstürze verhindert werden. Bei der Simulatormethode stürzen sie zwar ab, der Simulator übernimmt aber das Reparieren für sie. Im Simulator kommen sie daher recht häufig Grenzsituation vor dem Aufschlag, bei Lehrer-Schüler-Fliegen im besten Fall nie.
2. Mit der Panik vor dem echten Modell (man bewegt doch ein hübsches Sümmchen durch die Luft) sowie die weichen Knie und die zitterigen Hände lernt man beim Lehrer-Schüler-Flug von Anfang an umzugehen, beim Simulator-Flug kommt der grosse Brocken beim Erstflug in Echt.
  • Der Vorteil am Abstürzen am Simulator ist der, dass sie ihr Verhalten und das Modellverhalten kurz vor dem Einschlag recht intensiv studieren können. Es besteht dabei aber auch die Gefahr, dass sie sich das ständige Abstürzen oder das Fliegen mit hohem Risiko angewöhnen und dann ihr erstes echtes Modell dann aus reiner Gewohnheit erstmal versenken.
  • Die Möglichkeit, am Simulator unabhängig von Tageszeit und Wetter beliebig Flugstunden fressen zu können ist neben dem schadlosen Absturz wohl seine grösste Stärke, der fehlende Umgang mit der Flugangst sein grösster Nachteil.
  • Bei der Lehrer-Schüler-Methode ists mit den Vor- und Nachteilen genau umgekehrt.
  • Beim Fliegen mit einem Fluglehrer hat der Schüler wie schon erwähnt den weiteren Vorteil, dass er direkt Analysen, Tipps, Kritik und Verbesserungsvorschläge zu seiner Flugweise vom Fluglehrer bekommt. Ausserdem sieht der Fluglehrer falsche Steuergewohnheiten viel früher als der Schüler und kann auch entsprechend früh gegensteuern. Diese Art des "interaktiven" Unterrichts ist extrem wertvoll.

Als Optimum fürs Fliegenlernen betrachte ich eine Kombination der Elemente Fluglehrer, Lehrer-Schüler-Training, Simulatortraining und Eigeninitiative:
  1. Aneignen der Grundlagen in Schriftlicher (diese Webseite [grins]) oder mündlicher (vom Fluglehrer) Form.
  2. Trainings am Flugsimulator mit einem Fluglehrer, der einen unterstützt und einem dabei Tipps gibt.
  3. Die ersten Flüge in echt im Lehrer-Schüler-Modus.
  4. Weitere Flüge und Simulatortrainings je nach Bedarf mit Lehrer/Modellflugkollege oder ohne.

Die pure Lehrer-Schüler-Methode geht auch:
  1. Aneignen der Grundlagen in mündlicher (schriftlicher) Form.
  2. Lehrer-Schüler-Training in echt
  3. Weiteres Training je nach Bedarf alleine oder mit dem Fluglehrer.

Der Einstieg ohne Fremde Hilfe mittels Flugsimulator ist der Dritte im Bunde:
  1. Aneignen der Grundlagen in schriftlicher Form
  2. Simulatortraining
  3. Umstieg auf das echte Modell mit kurzer Hilfe eines erfahrenen Piloten
  4. Weiteres selbstständiges Training am Sim wie in echt.

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7 Blut, Schweiss und Tränen?


"Die Modellpiloten von Heute mit ihren ARF-Modellen sind elende Weicheier. Als WIR angefangen haben haben wir monatelang an einem Modell gebaut, dann jeweils nach 10 Sekunden flug wieder wochenlang repariert und so in Mühevoller arbeit das fliegen erlernt."

Diese Aussage hört man sehr oft, meistens von den Modellpiloten der "alten Schule". Vielfach kommt dann noch das Argument, dass das viele abstürzen den Charakter des Piloten positiv formen würde...

"Die Musiker von heute mit ihren fertig gekauften Instrumenten sind doch alles Weicheier. Als WIR angefangen haben haben wir unsere Instrumente Monatelang selbst gebaut, beim üben haben wir sie jedesmal, wenn wir aus dem Lied gefallen sind auf den Boden fallen lassen (Ehrensache...), während Wochen repariert und so in mühevoller Arbeit das Musizieren erlernt."

Absurd, nicht? Allergins ist das EXAKT dasselbe Strickmuster wie im Zitat zum Modellflug, und es zeigt wunderschön, wie absurd obige Haltung im Zeitalter von Vereinen, Lehrer-Schüler-Kabeln und Flugsimulatoren eigentlich ist.
Als ich mit dem Gitarrenspielen begonnen habe hatte ich auch keinen Bock darauf mir die Gitarre selber zu bauen und nach jedem falsch gegriffenen Ton wieder zu reparieren. Ich wollte einfach nur Gitarre SPIELEN. Von dem her kann ich jeden verstehen, der einfach nur ModellFLIEGEN möchte und sich nicht ewigs mit Bauen und reparieren herumschlagen möchte.

Der Modellflug ist langsam aber sicher in der Übergangsphase vom Bastlerobjekt zum Konsumgut. Diese Übergangsphase gitb es bei sehr vielen Technologien, beim Automobil hat sie sich vor etwa hundert Jahren abgespielt, Hersteller begannen damals fixfertige Automobile zu Produzieren, die Leute die die Autos fuhren wussten nicht mehr wie sie funktionieren und wie man sie repariert, in der Folge entstanden Reparaturwerkstätten. Und die Bastler der Ersten stunde jammerten über den Zerfall der Auto-Kultur:
"Die Autofahrer von Heute mit ihren Fabrikautos sind elende Weicheier. Als WIR angefangen haben haben wir monatelang an einem Auto gebaut und haben es mit vielen Rückschlägen und Unfällen bis zur Fahrtüchtigkeit befördert."

Menschen, die ihre Maschinen selber bauen, gab es immer und wird es immer geben. In der Bastlerphase sind sie die Mehrheit, in der Konstumphase die Minderheit. Das ist der Lauf der Dinge :-).

Meine Einstellung zu diesem Thema hat sich in den letzten Jahren stark gewandelt, anfangs fuhr ich voll auf der "Alte-Schuhle"-Schiene ("Modellpiloten die ihre Modelle nicht selber bauen sind keine Modellpiloten...") mittlerweile habe ich meine Meinung demgegenüber geändert. Wenn sie also von mir in Foren noch entsprechende Aussagen finden sollten, dann lassen sie sich nicht irritieren :-).

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[Copyright] Fabian Günther
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